Umsatz 2024: € 18,988 Mrd.
Überblick
Bertelsmann: Ende der 1980er Jahre größter Medienkonzern der Welt. Heute ist die Bertelsmann SE & Co. KgaA (eine nicht börsennotierte Kommanditgesellschaft auf Aktien) mit Hauptsitz in Gütersloh (Ostwestfalen-Lippe) der mit Abstand größte deutsche Medienkonzern, aktiv in rund 50 Ländern, mit weltweit fast 75.000 Mitarbeitenden. Dazu gehören u.a. die RTL Group, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, das Musikunternehmen BMG.
Basisdaten
Hauptsitz
Carl-Bertelsmann-Straße 270
33311 Gütersloh
Deutschland
Telefon: 0049 5241 80 0
Website: bertelsmann.de/investor-relations
Branchen: Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlage, TV, Radio, Film-/TV-Produktion, Tonträger, Musiklabel, Druck- und Mediendienstleistungen, Marketing, Bildung
Rechtsform: SE & Co. KGaA (seit August 2012)
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1835
Ökonomische Basisdaten (in Mio. €)
| 2024 | 2023 | 2021 | 2021 | 2020 | 2019 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 18.988 | 20.169 | 20.245 | 18.696 | 17.289 | 18.023 |
| Gewinn | 1.036 | 1.326 | 1.052 | 2.310 | 1.459 | 1.091 |
| Beschäftigte | 74.607** | 80.418* | 164.691 | 145.027 | 132.482 | 126.447 |
* Der deutliche Rückgang von Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen ist zurückzuführen auf den Verkauf im April 2023 der Beteiligung an Majorel (Luxemburg), einer der weltweit größten Betreiber von Callcentern (mehr als 80.000 Angestellte).
** Der Rückgang ist vorwiegend zurückzuführen auf den Verkauf der DDV Mediengruppe.
Umsatz nach Sparten (in Mio. €)
| 2024 | 2023 | 2022 | 2021 | 2020 | 2019 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| RTL Group | 6.888 | 6.854 | 7.224 | 7.016 | 6.017 | 6.651 |
| Penguin Random House | 4.917 | 4.532 | 4.223 | 4.030 | 3.802 | 3.636 |
| Gruner + Jahr | — | — | –*** | 1.032 | 1.135 | 1.355 |
| BMG | 963 | 905 | 866 | 633 | 602 | 600 |
| Arvato Group | 3.871 | 5.476 | 5.564 | 5.035 | 4.382 | 4.175 |
| Bertelsmann Marketing Services | 1.088 | 1.317**** | 1.448 | 1.319 | 1.362 | 1.568 |
| Bertelsmann Education Group | 924 | 876 | 622 | 283 | 301 | 333 |
| Bertelsmann Investments | 563 | 432 | 535 | 589 | 12 | 13 |
*** Anfang 2022 erfolgte der Zusammenschluss von RTL Deutschland und Gruner + Jahr.
**** am 1. Januar 2023 wurden die Direktmarketing- und Druckaktivitäten der Bertelsmann Printing Group umbenannt in Bertelsmann Marketing Services.
Geschäftsführung
Geschäftsführung:
- Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender Bertelsmann, CEO RTL Group
- Carsten Coesfeld, Mitglied des Vorstands von Bertelsmann,
CEO Bertelsmann Investments - Thomas Coesfeld, Mitglied des Vorstands von Bertelsmann
CEO BMG - Rolf Hellermann, Finanzvorstand
- Immanuel Hermreck, Personalvorstand Bertelsmann
Aufsichtsrat:
- Christoph Mohn, Vorsitzender des Aufsichtsrats, Vorstandsvorsitzender der Reinhard Mohn Stiftung, Geschäftsführer der Christoph Mohn Internet Holding GmbH,
- Prof. Dr.-Ing. Werner J. Bauer, Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats, ehemaliger Generaldirektor der Nestlé AG für Innovation, Technologie, Forschung und Entwicklung
- Dominik Asam, Chief Financial Officer und Mitglied des Vorstands SAP SE
- Núria Cabutí, Vorsitzende Internationale Führungskräftevertretung der Bertelsmann SE & Co. KGaA
- Günter Göbel, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Bertelsmann SE & Co. KGaA
- Pablo Isla, Ehemaliger CEO Industria de Diseño Textil S.A. (Inditex S.A.)
- Nitsa Kalispera, Executive Vice President, Global Supply Chain, BMG
- Bernd Leukert, Vorstand für Technologie, Daten und Innovation der Deutsche Bank AG
- Gigi Levy-Weiss, General Partner NfX, Angel Investor
- Jens Maier, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats RTL Deutschland
- Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung
- Liz Mohn, Stifterin und Vorsitzende des Vorstandes der Liz Mohn Stiftung und Gesellschafterin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH
- Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der Porsche Automobil Holding SE
- Henrik Poulsen, Aufsichtsratsvorsitzender Carlsberg A/S, Senior Advisor of A.P. Møller Holding
- Ilka Stricker, Stellvertretende Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Bertelsmann SE & Co. KGaA
- Bodo Uebber, Selbstständiger Unternehmensberater, Aufsichtsratsvorsitzender Flix SE, ehemaliges Mitglied des Vorstands der Daimler AG, Finanzen & Controlling / Daimler Financial ServicesNúria Cabutí, Vorsitzende Internationale Führungskräftevertretung der Bertelsmann SE & Co. KGaA
Geschichte
1835 gründete der Gütersloher Drucker und Lithograph Carl Bertelsmann einen Verlag für christlich-protestantische Literatur. Sein Sohn Heinrich erweiterte das Geschäft durch Zukäufe von Verlagen und den Bau einer Druckerei; dessen Schwiegersohn Johannes Mohn fügte ab 1881 Fachzeitschriften und pädagogische Buchreihen hinzu. In der vierten Generation unter Johannes Mohns Schwiegersohn Heinrich Mohn, ab 1921, wuchs der Verlag von Beginn der Weimarer Republik an kontinuierlich, vor allem durch Unterhaltungsromane, auch mit durchaus „völkisch-nationaler“ und antisemitischer Literatur. In der NS-Zeit wollte Mohn als passives SS-Mitglied und Verleger von Wehrmacht- und NS-Literatur („Panzer am Feind“, „Volk ohne Raum“) Bertelsmann zu einem nationalsozialistischen Musterbetrieb machen. Besonders mit Kriegserlebnisbüchern, in denen sich „unverhüllte und oft massive Kriegshetze“ fand, war man kommerziell erfolgreich.
Von 1999 bis 2002 hat Bertelsmann die eigene Geschichte, „als seinerzeit erstes deutsches Medienunternehmen“ (Zitat Bertelsmann-Homepage), von einer „Unabhängigen Historischen Kommission zur Erforschung der Geschichte des Hauses Bertelsmann im Dritten Reich“ (UHK) unter Vorsitz des Historikers Saul Friedländer untersuchen lassen. „Bertelsmann korrigierte mit diesem Vorgehen die bis dahin lückenhafte und irreführende Darstellung seiner eigenen Geschichte.“ Mit einer Studie, die auch im C. Bertelsmann Verlag erschienen ist.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Heinrich Mohns politisch unbelasteter zweitjüngster Sohn Reinhard (1921-2009) den angeschlagenen Buch- und Kirchenverlag und formte daraus einen Weltkonzern. Das Erfolgsrezept: sogenannte „Leseringe“, die Bücher im Abonnement zum Billigpreis sowie eigene Lexika und Atlanten anboten. Für den Vertrieb sorgten aggressive Drückerkolonnen, die an Haustüren und in Innenstädten Kunden lockten.
1958 trat Bertelsmann mit Gründung der Ariola Schallplatten GmbH in das Musikgeschäft ein, und 1969 stieg man auf an die Spitze der deutschen Medienwirtschaft, mit einem Mehrheitsanteil am 1965 von Richard Gruner, John Jahr und Gerd Bucerius gegründeten Hamburger Zeitschriftenkonzern Gruner+Jahr („Stern“, „Schöner Wohnen“, „Brigitte“, „Capital“). Unter Bertelsmann-Regie expandierte Gruner + Jahr als erster deutscher Großverlag ins Ausland, kaufte 1994 mehrere Titel der Zeitschriftengruppe der „New York Times“, 2000 die Wirtschaftsmagazine „Fast Company“ und „Inc.“. 2005 allerdings beschloss man, für Branchenkenner unerwartet, den Rückzug aus den USA.
Bertelsmann hatte sich bereits 1986 international bekannt gemacht: mit dem Kauf des New Yorker Traditionsverlags Doubleday Dell und der Musiksparte von RCA Records (mit Künstlern wie Elvis Presley, Diana Ross, Scorpions). 1987 dann gründete man BMG (Bertelsmann Music Group); unter diesem Namen werden die Musikaktivitäten von Bertelsmann bis heute geführt. Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender von 1983 bis 1998 war Mark Wössner. Zwar leitete er zeitweilig den größten Medienkonzern der Welt (bis 1989 Time Inc. mit Warner Bros. fusionierte). In diese Phase fiel aber auch der Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher 1983 im „Stern“.
Im deutschen Privatfernsehen gehörte Bertelsmann zu den Pionieren. Am 2. Januar 1984 gründete man zusammen mit der CLT (Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion, private Rundfunkanstalt) den Sender RTL plus(Bertelsmann war zu Beginn mit 40 Prozent beteiligt). Der seit Ende 1992 RTL heißt und zum größtem Privatkanal Europas aufstieg.
1995: mit AOL (America Online) gründete Bertelsmann den Online-Dienst AOL Europe, erwarb mit Pixelpark die führende deutsche Multimedia-Agentur und investierte in Internet-Aktivitäten, etwa den Aufbau der amerikanischen Internet-Buchhandlung barnesandnoble.com und in das europäische Pendant BOL. Um über möglichst viele Inhalte für das von Wössner-Nachfolger Thomas Middelhoff (Vorstandsvorsitzender von 1998 bis 2002) hoch geschätzte E-Commerce zu verfügen, kaufte Bertelsmann auch für 4,7 Milliarden DM den New Yorker Verlag Random House und für knapp eine Milliarde die Mehrheit am wissenschaftlichen Verlag Springer aus Heidelberg (Springer wurde 2003 wieder verkauft).
Anfang 1997 fusionierte Bertelsmann die UFA Film- und Fernseh-GmbH mit der CLT. Die 1917 gegründete Ufa, eine eng mit der Geschichte des deutschen Films verbundene Babelsberger Produktionsfirma („Metropolis“, „Der Kongreß tanzt“, „Der blaue Engel“), hatte Bertelsmann schon 1964 übernommen; zu einer Zeit, als die Ufa hochverschuldet war. Die Ufa wurde dann in UFA umbenannt, zuerst fand dann die Fusion mit der CLT statt, dann im Jahr 2000 eine mit der britischen Pearson TV: die RTL Group entstand.
1999 wuchs Bertelsmann im Bereich TV auch durch den Kauf der Produktionsfirma Fremantle, durch die Übernahme des Kölner Senders Vox und eines 47-prozentigen Anteils am Nachrichtensender n-tv (im Tausch gegen die „Berliner Zeitung“). Für hohe Erlöse sorgten die Verkäufe der Anteile an AOL Europe (50 Prozent) und der Technikfirma Mediaways an AOL. Middelhoffs Nachfolger Gunter Thielen, Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender von 2002 bis 2007, aber trennte sich von vielen Internet-Aktivitäten und konsolidierte das Geschäft: 2004 kam es z.B. zur Fusion von BMG (Bertelsmann Music Group) und Sony Music. Wegen sinkender Mitglieder- und Buchhandelsumsätze verkaufte man auch Tochterunternehmen in Portugal, Italien, Australien, Neuseeland und Frankreich. Schließlich wurden die legendären Buchclubs als eigenständiger Unternehmensbereich am 30. Juni 2011 aufgelöst.
2013 die Rückkehr ins Musikgeschäft: Bertelsmann kaufte „alle ausstehenden Anteile an BMG Rights Management“, 2015 war die „neue“ BMG schon wieder der viertgrößte Musikverlag der Welt mit Rechten an mehr als 2,5 Millionen Songs. Und 2020 übernahm Bertelsmann die übrigen 25 Prozent der Anteile an Penguin Random House von Pearson. Ende 2020 dann baute Bertelsmann das Buchgeschäft mit dem Verlag Simon & Schuster aus, der viertgrößten Buchverlagsgruppe der USA, für mehr als zwei Milliarden US-Dollar (und mit Autoren wie Hillary Clinton, John Irving oder Stephen King).
2020 hat Bertelsmann so viel Geld verdient wie noch nie – wohl gerade wegen Corona. Schwache Geschäftsfelder konnten durch starke ausgeglichen werden, der Konzerngewinn wuchs um über 30 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, der Gesamtumsatz fiel nur um vier Prozent auf 17,29 Milliarden Euro.
Management
Bertelsmann wird über die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) gesteuert, in der 100 Prozent der Stimmrechte aller Aktien gebündelt sind. An der Spitze steht ein Lenkungsausschuss, dem drei Mitglieder der Familie Mohn und drei gewählte, familienfremde Mitglieder angehören. Die BVG wurde eingerichtet, um die Interessen der Bertelsmann Stiftung und der Familie Mohn zu wahren. Sie soll auch die Kontinuität der Unternehmenskultur von Bertelsmann sichern.
Anfang 2012 wurde Hartmut Ostrowski von Finanzvorstand Thomas Rabe als Vorstandsvorsitzender abgelöst. Rabe, Jahrgang 1965, gebürtiger Luxemburger mit deutschem Pass, „sportlich-asketischer Sohn eines EU-Beamten“, läutete umgehend einen Strategiewechsel ein: Der Konzern sollte v.a. digitaler und internationaler aufgestellt werden. Dies wollte er erreichen durch eine Konsolidierung des Portfolios, Digitalisierung der Kerngeschäfte, die Bildung neuer Wachstumsplattformen und auch durch eine Expansion nach China, Indien und Südamerika. Auch im Bildungsbereich wollte Bertelsmann mehr investieren. Zudem sollte der Druckbereich in einer Sparte gebündelt werden.
2019 dann war ein bewegtes Jahr. Im April trat RTL-CEO Bert Habets unerwartet „aus persönlichen Gründen“ von seinem Amt zurück. Dahinter steckte wohl Habets‘ Führungsschwäche. „Mit den Details war er nie richtig vertraut“, wurde kritisiert. Dazu sein schwieriges Verhältnis mit Nicolas de Tavernost, CEO der französischen RTL-Tochter M6, und mit der früheren RTL-Deutschlandchefin Anke Schäferkordt. Vielleicht hing die Sache auch mit den Vorwürfen einer „Veruntreuung von Firmengeldern in Millionenhöhe“ beim Onlineportal Stylehaul (im Juni 2019 von RTL eingestellt) zusammen. Es hieß auch, Habets als RTL-Chef habe sich unzureichend um die Aufklärung gekümmert. RTL-Mehrheitseigner Bertelsmann verweigerte Habets jedenfalls auf der Hauptversammlung im April 2019 die Entlastung für das abgelaufene Geschäftsjahr.
Bertelsmann-Geschäftsführer Thomas Rabe übernahm dann auch den Chefposten bei RTL nach Habets‘ Abgang. Schließlich kannte er das Haus, war er doch von 2000 bis 2005 schon einmal Finanzvorstand der RTL Gruppe. Die neue Doppelfunktion ist jedenfalls eine für einen deutschen Dax-Konzern unübliche Ämterhäufung. In der Presse hieß er im Anschluss „mächtigster Bertelsmann-Chef aller Zeiten“. Eine weitere wichtige Personalie: Elmar Heggen, Chief Financial Officer der RTL Gruppe, ein enger Vertrauter Rabes. Rabe hat Heggen immer als seinen verlängerten Arm betrachtet. Was man noch liest: „Die beiden kennen sich in und auswendig. Das neue Tandem an der Führungsspitze wird reibungslos funktionieren müssen. Denn Rabe wird zwischen Gütersloh und Luxemburg pendeln“.
2021 verlängerte Bertelsmann den Vertrag mit Rabe bis Ende 2026. Aufsichtsratsvorsitzender Christoph Mohn dazu: „Thomas Rabe ist ein Stratege mit herausragenden analytischen Fähigkeiten.“ Die Verlängerung des CEO-Vertrags sei „in einer Zeit immer schnellerer Veränderungen ein klares Zeichen von Kontinuität“. Dagegen sprachen allerdings die Pressemeldungen vom 11.03.2024: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe habe seinen Abschied aus dem Unternehmen angekündigt. „Bis Ende 2026 läuft mein Vertrag noch. Mein Plan ist, dass ich mich dann anderen Aufgaben zuwende“, so Rabe zur „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.
Gleich wurde gefragt: Warum macht er sich zur „lame duck“? Und verunsichert die Mitarbeiter. Oder will Rabe so Druck auf die Eigentümer ausüben, um ihn eher aus seinem Vertrag zu entlassen? Natürlich gab es gleich Spekulationen über seine Nachfolge. Gregory Lipinski, MEEDIA-Chefredakteur, schrieb, es sei unwahrscheinlich, dass er noch zwei Jahre im Amt bleibt. „Zwar hat der gebürtige Luxemburger den Konzern für die Familie Mohn bisher glänzend kostenoptimiert und solide auf Gewinn getrimmt, aber einer großen Vision blieb er schuldig.“ Bertelsmann brauche „dringend einen führenden Kopf mit einer passenden Zukunftsidee. Ansonsten droht das Mohn-Imperium in der Weltrangliste der Medienhäuser weiter abzurutschen“.
Am 04. Juli 2024 meldete HORIZONT/dpa: „Zweiter Mohn-Enkel rückt in Bertelsmann-Vorstand auf: Zwei Enkelkindern des früheren Bertelsmann-Unternehmers Reinhard Mohn wird im Konzern eine große Karriere vorausgesagt. Das manifestiert sich nun.“ Besonders Thomas Coesfeld, einer der beiden Enkel, der bereits seit einem Jahr das Bertelsmann-Musikgeschäft von BMG leitet, hat offenbar große Chancen, Thomas Rabe abzulösen.
Geschäftsfelder
TV/Radio/Inhalte/Presse:
RTL Group: Europas Marktführer im werbefinanzierten Fernsehen und in der TV-Produktion. Die Gruppe, an der Bertelsmann mit über 75 Prozent beteiligt ist, umfasst Beteiligungen an 60 Fernsehsendern (darunter RTL Television, Super RTL, Vox, N-TV in Deutschland, M6 in Frankreich, RTL4 in den Niederlanden), sieben Streamingdiensten (z.B. RTL+, Videoland, 6play, Salto) und 37 Radiostationen.
Der RTL-Produktionsarm Fremantle Media ist einer der größten Entwickler, Produzenten und Vertriebe von fiktionalen und non-fiktionalen Inhalten. Fremantle hat Filialen in 27 Ländern, produziert über 11.000 Stunden Programm jährlich und vertreibt TV-Formate in über 200 Ländern.
Gruner + Jahr: 1965 von Richard Gruner, Inhaber einer Druckerei im schleswig-holsteinischen Itzehoe, und den Verlegern John Jahr und Gerd Bucerius gegründeter Konzern, heute einer der führenden Magazinverlage Europas („Stern“, „Geo“, „Brigitte“, „Capital“, „Schöner Wohnen“, „Eltern“, „Art“). Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt in Deutschland und Frankreich, wo Prisma Media zu den reichweitenstärksten Verlagen zählt. Die digitalen Angebote tragen ein Viertel zum Umsatz bei und besetzen führende Positionen in allen Segmenten, von News über People bis Living. Außerdem hält G+J die Mehrheit am Special-Interest-Verlag Motor Presse Stuttgart („Auto Motor und Sport“) und ist an der Spiegel-Gruppe beteiligt („Spiegel“, „Manager Magazin“). Die G+J-Anteile an der DDV Mediengruppe in Dresden („Sächsische Zeitung“) hingegen hat zum 1. Mai 2024 Madsack (Hannover) übernommen.
Ende März 2025 dann die Fusion von RTL und Gruner + Jahr: Fernseh-, Streaming-, Radio- und Printformate in einer Hand. Thomas Rabe: „Kein anderer Medienkonzern hierzulande kann ein derartiges, gattungsübergreifendes Wachstumsbündnis schaffe“. RTL als „Powerhouse für unabhängigen Journalismus, Inspiration und positive Unterhaltung“.
Buchverlage:
Im Dezember 2019 meldete Bertelsmann die Übernahme der restlichen 25 Prozent an Penguin Random House von Pearson, für 675 Mio. US-Dollar. Penguin Random House (New York) ist mit über 300 eigenständigen Verlagen, 18.000 Neuerscheinungen jährlich und rund 700 Millionen verkauften Büchern, E-Books und Hörbüchern die weltweit führende Publikumsverlagsgruppe. Unter den Autoren/Autorinnen finden sich mehr als 80 Nobelpreisträger/-trägerinnen.
In der Folge hatte Bertelsmann auch eine „milliardenschwere Übernahme“ des US-Verlags Simon and Schuster versucht. Ein Fusionsvorhaben, das allerdings nach einer kartellrechtlichen Klage der US-Regierung scheiterte, weil eine Übernahme den Wettbewerb auf dem US-Buchmarkt erheblich hätte einschränken können, wie am 01.11.2022 gemeldet wurde.
Musik:
Zunächst beschloss Bertelsmann, bereits seit den 1950ern im Musikmarkt aktiv, sein Musikgeschäft 2003 „wegen rückläufiger Umsätze“ mit Sony zusammenzulegen. 2006 verkaufte man auch die Tochter BMG Music Publishing an Universal/Vivendi. Und auch die 50-prozentige Beteiligung an Sony BMG gab man 2008 ab. Doch in demselben Jahr die Kehrtwende. Am 01.10.2008 gründete Bertelsmann ein Joint Venture zur Musikrechtevermarktung mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR). März 2013 wurde bekannt, dass Bertelsmann die KKR-Anteile (51 Prozent) an BMG Rights Management übernommen hatte.
Heute ist BMG das einzige nicht in den USA ansässige globale Musikunternehmen (Hauptsitz: Berlin). Der viertgrößte Musikverlag der Welt (hinter Sony Music Publishing, Universal Music Publishing und Warner-Chappell Music Publishing), mit 20 Niederlassungen in zwölf Kernmusikmärkten, mit mehr als drei Millionen Titeln und Aufnahmen.
Arvato:
International agierendes Dienstleistungsunternehmen, das für Geschäftskunden weltweit SCM-Lösungen, Finanzdienstleistungen und IT-Services mit den Schwerpunkten Automatisierung und Daten/Analytics entwickelt.
Bertelsmann Marketing Services:
Zuvor Bertelsmann Printing Group; Unternehmensbereich, in dem sämtliche Direktmarketing- und Druckaktivitäten gebündelt sind. Dazu zählen die deutschen Offsetdruckereien Mohn Media, GGP Media und Vogel Druck; die Book Printing Group in den USA; die Digital Marketing Unit, zu der u.a. die Content-Agentur Territory, die DeutschlandCard und das Dialog-Geschäft gehören; und die Sonopress Gruppe mit dem Speichermedienproduzenten Sonopress und dem Druck- und Verpackungsspezialisten Topac.
Bertelsmann Education Group:
Digitale Bildungs- und Dienstleistungsangebote mit Schwerpunkten in den Sektoren Gesundheit und Pädagogik. Im Herbst 2014 war Bertelsmann am Online-Kurs-Anbieter Udacity eingestiegen und hatte für einen dreistelligen Millionenbetrag die E-Learning-Plattform Relias Learning gekauft, spezialisiert auf Fortbildungen im Gesundheitsbereich.
Bertelsmann Investments:
Unter dem Investments-Segment finden sich die globalen Venture-Capital-Aktivitäten von Bertelsmann und der Wachstumsbereich Bertelsmann Next. Rund 1,9 Milliarden Euro wurden bisher in rund 500 innovative Unternehmen und Fonds investiert.
Aktuelle Entwicklung
Ende März 2025 kam es zur Fusion der konzerneigenen Mediengruppen RTL und Gruner + Jahr. TV schluckte Print. RTL Deutschland trennte sich insgesamt von 23 G+J-Zeitschriften, 700 Stellen entfielen. Doch Hamburg blieb weiterhin Sitz von Gruner + Jahr. Fernseh-, Streaming-, Radio- und Printformate aber waren jetzt in einer Hand: Thomas Rabe hatte nach eigenem Bekunden eine „leichte Euphorie“ ergriffen. RTL und G+J: Die beiden Unternehmen könnten „ihr Wachstumspotential so gemeinsam besser ausschöpfen“. Man wolle „nicht einfach so weiterwerkeln“ wie bisher. „Kein anderer Medienkonzern hierzulande kann ein derartiges, gattungsübergreifendes Wachstumsbündnis schaffen“, so Rabe. Die Mediengeschäfte auf dem deutschen Markt seien im Wettbewerb mit globalen Tech-Plattformen wie Netflix, Google oder Amazon gestärkt. RTL als „Powerhouse für unabhängigen Journalismus, Inspiration und positive Unterhaltung“. Man las allerdings auch vom „Ende einer Ära“, vom Ende des „Traditions- und Renommier-Verlags G+J“. „Nach 60 Jahren: Bertelsmann macht Schluss bei G+J“, und verkaufte dann auch „Brigitte“, „Gala“ und „Eltern“ an die Funke Mediengruppe.
Zweifel am RTL/G+J-Medienverbund kamen etwa vom österreichischen RTL-Gründer Helmut Thoma. „Was soll denn da herauskommen? Wo sollen denn, bitte schön, all die tollen Inhalte herkommen?“ Ist es nur ein „Marketingkonzept“ zur „Abwicklung des einstigen Großverlags G+J“ (Handelsblatt)? Nur die „Technokraten-Fantasie“ der Fusion zweier doch kulturell sehr unterschiedlicher Konzerne? Bei RTL machte man sich lustig über die „linksorientierte Geldvernichtungsmaschine“ aus Hamburg, bei Gruner + Jahr über „die alte Trashkultur“. Oder Andreas Lebert, einst Chefredakteur der Brigitte (G+J), heute leitet er das Feuilleton bei der Zeit. Das, was bei Bertelsmann passiert, sei ihm „vollkommen unverständlich“. Nur für den Stern habe er noch Hoffnung.

