Umsatz 2024: € 3,600 Mrd.
Überblick
Ein Familienunternehmen mit Sitz in Stuttgart: Der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (auch Holtzbrinck Publishing Group) gehört eines der großen deutschen Verlagsportfolios. Die weltweit tätige Holding (mit Nordamerika als mit Abstand wichtigstem Markt) ist aktiv in den Bereichen Information, Bildung und Unterhaltung bzw. in „sieben global ausgerichteten dynamischen Geschäftsbereichen der Gruppe“: Springer Nature; Macmillan Publishers und Holtzbrinck Buchverlage; Macmillan Learning; Holtzbrinck Digital; Digital Science; DIE ZEIT-Gruppe; Funds & Investments.
Basisdaten
Hauptsitz:
Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG
Gänsheidestraße 26
70184 Stuttgart
Deutschland
Telefon: 0049 711 2150-0
Website: www.holtzbrinck.com
Branche: Bildungs- und Publikumsverlage, Zeitungen, Internet-Services
Rechtsform: GmbH & Co. KG
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: Deutsche Verlagsexpedition (1936), Gründungsjahr der Holtzbrinck-Holding (1971)
Ökonomische Basisdaten
| 2024 | 2023 | 2022 | |
|---|---|---|---|
| Umsatz (in Mio. €) | 3.600 | 3.600 | 3.600 |
| Beschäftigte | 5.324 | 5.324 | 5.324 |
Geschäftsführung
Geschäftsführung
- Dr. Stefan von Holtzbrinck, Vorsitzender der Geschäftsführung
- Björn Waldow, Kaufmännischer Geschäftsführer
- Filmon Zerai, Geschäftsführer Operations
- Diana Baumhauer, SVP HR
- Claus-Peter Gosselke, SVP Tax & Accounting
- Dr. Sabine Knauer, SVP Legal
- Rolf Landkammer, SVP Group Finance
- Martin Strempel, SVP Group Controlling
- Cathrin Vischer, SVP HR
Aufsichtsrat:
- Bernd Hirsch, Vorsitzender
- Dr. Hagen Duenbostel
- Dr. Florian Heinemann
- Julia Jäkel
- Christiane Schoeller
Geschichte
Unternehmensgründer Georg von Holtzbrinck im Dritten Reich
Nach zehn Jahren Forschung gab der Journalist Thomas Garke-Rothbart 2008 eine wissenschaftliche Studie (erschienen im K.G. Saur-Verlag) heraus mit dem Titel „… für unseren Betrieb lebensnotwendig …“ über die Wurzeln des Unternehmens, über Unternehmensgründer und Namensgeber Georg von Holtzbrinck im Dritten Reich. Offiziell hatte die Verlagsgeschichte immer erst 1948 angefangen; tatsächlich war es deutlich früher losgegangen. Garke-Rothbart begann sein Forschungsprojekt, nachdem die US-Zeitschrift „Vanity Fair“ 1998 die NSDAP-Parteikarte von Georg von Holtzbrinck abgedruckt und einen ausführlichen Bericht über seine „dunkle Vergangenheit“ publiziert hatte. Als Garke-Rothbart zur Überraschung der Verlegerfamilie private Dokumente in einem öffentlichen Archiv fand, erklärte sich die Familie bereit, ihn zu unterstützen. Sie stellte ihm Akten zur Verfügung, ermöglichte Kontakte zu Zeitzeugen und weiteren Archiven und übernahm einen Teil der Recherchekosten.
Der Historiker Wolfgang Benz schrieb im Holtzbrinck-eigenen Tagesspiegel, die Studie sei von „akribischer Recherche“ geprägt. Positiv wertete er den Verzicht des Autors auf moralische Anklage. Es sei „keine elegante Darstellung“, aber sie sei „höchst willkommen und aufschlussreich“, urteilte Benz. Denn Georg von Holtzbrinck sei „ein wichtiger Akteur“ in der Buchhandels- und Verlagsgeschichte im Dritten Reich gewesen; zwar Mitglied der NSDAP, doch nicht als überzeugter Nazi in Erscheinung getreten. Benz bilanzierte: „Die Geschichte des Unternehmers Georg von Holtzbrinck im Dritten Reich ist so unspektakulär wie bedrückend. Er war kein fanatischer Ideologe, kein bösartiger Antisemit, kein wilder Militarist, er hat sich nur einfach angepasst. Um des Geschäftserfolgs willen. Wenn er mit der offiziellen Linie vielleicht einmal nicht einverstanden war, hat er es niemanden merken lassen. Das aber hat den Erfolg des NS-Regimes ermöglicht – die Anpassungsfähigkeit, der Opportunismus, das Schweigen so vieler.“ Nach dem Krieg beklagte er die drei verlorenen Jahre wegen seines Entnazifizierungsverfahrens, das ihn als Mitläufer einstufte.
„Zu unserem großen Bedauern“, teilten die Kinder Monika Schoeller von Holtzbrinck, Dieter und Stefan von Holtzbrinck in einem Statement mit, sei das NS-Regime „in alle Lebens- und Arbeitsbereiche und damit auch in das verlegerische Handeln unseres Vaters eingedrungen“. Mit Garke-Rothbarts Buch, hieß es weiter, werde ein „bislang weitgehend unbekanntes Teilstück der deutschen Buchhandelsgeschichte in der Nazi-Zeit bekannt. Im Interesse der erwünschten rückhaltlosen Aufklärung wurden alle in Familien- und Unternehmenshand befindlichen Materialien zur Verfügung gestellt und die akademische Arbeit unterstützt. In Summe erschlossen sich nahezu dreißig Archive zwischen Washington und Moskau, alle aufgefundenen Dokumente stehen der weiteren Forschung zur Verfügung.“
Unternehmensgeschichte
Der Buchvertreter Georg von Holtzbrinck (1909-1983), aus westfälischem Adel, hatte 1936 mit seinem Freund Wilhelm Schlösser die Deutsche Verlagsexpedition (Devex) gegründet. Das Vertriebsunternehmen war die Keimzelle eines sich rasch ausbreitenden Medienunternehmens. Das habe Holtzbrinck auch guten Beziehungen zur NSDAP zu verdanken gehabt, schrieb „Vanity Fair“ 1998. Auch die FAZ und die SZ haben in dieser Hinsicht recherchiert: Georg von Holtzbrinck war NSDAP-Mitglied seit 1935, sein Onkel Erich von Holtzbrinck hatte Beziehungen zur Privatkanzlei Hitlers. Und die Devex vertrieb auch DAF-Zeitschriften wie „Schönheit der Arbeit“ und „Freude und Arbeit“. Holtzbrinck hatte vom Nazi-Regime profitiert.
1943 übernahm er den Wiesbadener Verlag „Deutsche Volksbücher“, den die Alliierten 1946 lizensierten. 1948 gründete Holtzbrinck das Vertriebssystem „Stuttgarter Hausbücherei“ (hier wurden Bücher exklusiv an Mitglieder verkauft); später den „Deutschen Bücherbund“ (1959), die „Deutsche Hausbücherei“ (1960) und den „Deutschen Buchklub“ (1966). Vier Jahrzehnte blieben Buchklubs das Kerngeschäft des Unternehmens, Holtzbrinck trat aber zunehmend als Verleger auf und kaufte ab den 1960er-Jahren den S. Fischer Verlag und Beteiligungen an Kindler und Rowohlt (1984 übernahm man die restlichen 33 Prozent am Rowohlt Verlag). Man stieg bei der Saarbrücker Zeitung ein und 1971 beim Handelsblatt (Düsseldorf, gegründet 1946).
Georg von Holtzbrinck hatte vier Kinder: Monika Schoeller (1939-2019); Dieter, geboren 1941; Karin (1943-2006); Stefan von Holtzbrinck, 1963 geborener Halbbruder der anderen drei. Als Georg von Holtzbrinck 1983 starb, war Dieter bereits seit drei Jahren „Handelsblatt“-Geschäftsführer. Dieter von Holtzbrinck baute das Unternehmen radikal um, besonders durch Expansion in das englischsprachige Ausland. 1986 kaufte er den US-Buchverlag Henry Holt und die Zeitschrift „Scientific American“, 1994 das angesehene New Yorker Buchhaus Farrar, Straus & Giroux, 1995 für 600 Millionen DM einen Anteil von 70,8 Prozent am britischen Verlag Macmillan (mit dem Verlag St. Martin’s Press und der Zeitschrift „Nature“). Zudem hatte Holtzbrinck 1989 mehrheitlich das Baseler Forschungsinstitut Prognos AG übernommen.
Gleichzeitig entschloss sich Dieter von Holtzbrinck auch in elektronische Medien zu investieren. 1983 wurde Holtzbrinck Gründungsgesellschafter von Sat.1, hielt dort 1986 15 Prozent der Anteile, die man Ende 1996 für knapp 200 Millionen DM an den Münchener Filmhändler Leo Kirch verkaufte. Um das Wirtschaftsfernsehen voranzutreiben, beteiligte sich Holtzbrinck erst mit 25, dann bis auf 47 Prozent am Nachrichtenkanal n-tv. 2002 aber verkaufte Holtzbrinck die Senderanteile an Bertelsmann – zusammen mit Beteiligungen an zwölf Radiostationen.
Weiter kaufte Holtzbrinck die Zeitungen „Main-Post“ und „Fränkisches Volksblatt“ (1991), den Berliner „Tagesspiegel“ (1992), „Trierischer Volksfreund“ (1993), und 1996 die Wochenzeitung „Die Zeit“ für 140 Millionen DM vom alleinigen Gesellschafter Gerd Bucerius. 1992 hatte man auch den Stuttgarter Gustav Fischer Verlag übernommen, der 1999 mit dem seit 1998 ebenfalls zu Holtzbrinck gehörenden Verlag Urban & Schwarzenberg zum zweitgrößten Medizin-Verlag im deutschsprachigen Raum Urban & Fischer verschmolzen wurde. Zum 1. Januar 1999 führte Holtzbrinck fünf eigene Verlage mit sieben Verlagen der katholischen Weltbild-Gruppe (Augsburg) zusammen. Eine Verlagsgruppe, die seitdem unter dem Namen Droemer Knaur firmiert. Diesen Akquisitionen gegenüber stand eine interne Bereinigung: 1989 verkaufte Holtzbrinck den „Deutschen Bücherbund“, einst das Herz des Unternehmens, für 250 Millionen DM an Kirch. Auch von der Musikfirma Intercord trennte sich Holtzbrinck – sie ging an EMI. Schließlich wurden auch die Druckereien Claussen & Bosse und Franz Spiegel Buch verkauft.
2002 dann übernahm Holtzbrinck den angeschlagenen Berliner Verlag, zu dem auch die „Berliner Zeitung“ gehörte, von Gruner + Jahr. Das unter kartellrechtlichen Vorbehalten abgewickelte Geschäft geriet allerdings zum, hier detailliert beschriebenen Desaster für Holtzbrinck. Das Bundeskartellamt untersagte die Transaktion mit Hinweis auf Holtzbrincks marktbeherrschende Stellung bei den Berliner Abonnementzeitungen, die entstünde, wenn „Tagesspiegel“ und „Berliner Zeitung“ von einem Unternehmen gemeinsam verlegt würden. Holtzbrinck beantragte 2003 beim damaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) eine Ministererlaubnis, um das Veto der Kartellbehörde zu umgehen, und schlug ein Stiftungsmodell für die Redaktion des „Tagesspiegel“ vor. Clement konnte eine Erlaubnis dafür aber nur erteilen, wenn „gesamtwirtschaftliche Vorteile“ bzw. „ein überragendes Interesse der Allgemeinheit“ wichtiger waren als die Konzentrationsbedenken. Am 13. Mai 2003 erteilte Clement daher einen Zwischenbescheid, in dem Holtzbrinck aufgefordert wurde, sechs Wochen nach Käufern für den „Tagesspiegel“ zu suchen. Würden sich keine Käufer finden, würde er die Ministererlaubnis erteilen. Die Verlagsgruppen Bauer und Ippen allerdings meldeten ihr Interesse an und im September 2003 verkaufte Holtzbrinck den „Tagesspiegel“ an Pierre Gerckens zu einem Vorzugspreis (von 10 Millionen Euro war die Rede, der Konzern äußerte sich dazu nicht). Zwar schien der Weg dann frei für die Übernahme der „Berliner Zeitung“, doch das Bundeskartellamt verbot diese 2004 ein zweites Mal: die an Gerckens verkauften „Tagesspiegel“-Anteile seien noch immer dem Konzern zuzurechnen. Ohne Erfolg klagte Holtzbrinck vor dem OLG Düsseldorf und dem BGH gegen diese Entscheidung und verkaufte den Berliner Verlag an ein angloamerikanisches Investorenkonsortium (VSS) und die Mecom-Group.
2001 übertrug der zu dem Zeitpunkt 60-jährige Dieter von Holtzbrinck seinem Halbbruder Stefan von Holtzbrinck die Geschäftsführung, blieb bis Mitte 2006 aber Aufsichtsratsvorsitzender. Zum 1. Juni 2009 dann die große Umstrukturierung. Dieter von Holtzbrinck verkaufte seine Anteile an der Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG (GvH) an die beiden übrigen Gesellschafter, Stefan von Holtzbrinck und Monika Schoeller. Er gründete die Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien), in die ein Teil der Konzernmedien überführt wurde: der „Tagesspiegel“, 1945 gegründete Berliner Tageszeitung; 50 Prozent des Zeitverlags (Wochenzeitung „Die Zeit“), die anderen 50 Prozent hält nach wie vor die GvH GmbH & Co. KG; Verlagsgruppe Handelsblatt; der Werbevermarkter IQ Media Marketing GmbH; 50 Prozent an der Wirtschaftsdatenbank GBI-Genios.
Bei Holtzbrinck folgte ein schrittweiser Rückzug aus dem Zeitungsgeschäft. Die Mediengruppe Main-Post in Würzburg wurde im Dezember 2010 an die Mediengruppe Pressedruck („Augsburger Allgemeine“) verkauft; ebenfalls an die Mediengruppe Pressedruck ging 2013 der „Südkurier“ (Konstanz). Auch 2013 ging die Saarbrücker Zeitungsgruppe („Saarbrücker Zeitung“ mit „Pfälzischer Merkur“, „Trierischer Volksfreund“, „Lausitzer Rundschau“) an die Rheinische Post Mediengruppe. Nach Abgabe dieser Beteiligungen verbleiben lediglich 50 Prozent des Zeitverlags („Die Zeit“) bei der Holtzbrinck Publishing Group in der Zeitungsbranche.
Schließlich ein Zitat von der Holtzbrinck-Homepage: „Konsequent verfolgte die Gruppe die völlige Neuausrichtung mit den drei Geschäftsbereichen Wissenschaft und Bildung, Publikumsverlage und digitale Beteiligungen, welche die strategische Ausrichtung widerspiegelte. 2015 bot sich die einmalige Chance eines Joint Ventures mit Springer Science+Business Media, welches zwei der einflussreichsten Bildungs- und Publikumsverlage zusammenführte und das Engagement der Gruppe im Bereich Wissenschaft, Hochschul- und Ausbildung im internationalen Wettbewerb unterstrich.“
Management
Überraschenderweise zog sich der „stille Tycoon“, Gesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzende Dieter von Holtzbrinck im Juni 2006 aus dem gleichnamigen Familienkonzern zurück. Seitdem hält Stefan von Holtzbrinck (geb. 1963) die Zügel in der Hand. Wie sein Halbbruder Dieter ist auch Stefan von Holtzbrinck jemand, der öffentlich kaum in Erscheinung tritt, trotz positiver Umsatzzahlen. Er sei, schreibt kress pro über den Chef der Holtzbrinck Publishing Group und Verleger der Zeit (mit einer Beteiligung von 50 Prozent) „ein etwas anderer“, ein „nahbarer Verleger“, dem es nicht um maximalen Gewinn gehe, sondern um ordentlichen Gewinn bei maximaler Qualität. Medien sehe er „als Schlüssel, die Welt ein bisschen besser zu machen.“
Ein weiteres Zitat aus dem Interview mit „kress pro“ (10/2024). Frage: „Eine Bürde begleitet jeden Erben. Letztlich verdanken Sie Ihre Position nicht der Leistung, sondern der Abstammung. Wie sind Sie damit umgegangen?“ Stefan von Holtzbrinck: „Ich glaube, wenn ich jemals das Gefühl hatte, es vielleicht verdient zu haben, dann wohl erst in den letzten Jahren. Ich konnte das Unternehmen grundlegend umstrukturieren und auf eine neue, finanzielle Basis stellen, ohne unseren Wesenskern aufzugeben oder die Innovationskraft zu mindern. Viele von mir überaus geschätzte Kolleginnen und Kollegen konnten zusammen mit mir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir ein globaler Marktführer im Bereich der Wissenschaftskommunikation wurden und auch in unseren anderen Segmenten über dem Markt wachsen. Wie gesagt, das ist nicht allein mein Verdienst, sondern vor allem ein gemeinsamer Erfolg. Und ja, eigentlich leben Sie immer im Selbstzweifel und der ist gesund, der hält einen am Boden.“
Einmal allerdings geriet Stefan von Holtzbrinck deutlich in Kritik. 2007 hatte er für 85 Millionen Euro das soziale Netzwerk StudiVZ gekauft. Ein Netzwerk, das auch Mark Zuckerberg von Facebook so sehr interessierte, dass er Holtzbrinck, für eine Übernahme von StudiVZ, einen fünfprozentigen Facebook-Anteil bot. Holtzbrinck lehnte 2010 ab. StudiVZ wurde wenig später geschlossen, 2020 beispielweise wären die fünf Facebook-Prozente aber knapp 29 Milliarden Euro wert gewesen. Stefan von Holtzbrinck hätte das Geschäft seines Lebens gemacht; eine der teuersten Fehlentscheidungen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Dieter von Holtzbrinck. 2016, an seinem 75. Geburtstag, trat er als Aufsichtsratschef der Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) zurück. Die Zeitungen, hinter denen sein Name stand: „Der Tagesspiegel“, das „Handelsblatt“, „Die Zeit“ (zu 50 Prozent). „Die drei Verlage mit ihren großen Titeln sind in einer so ausgezeichneten Verfassung, dass ich mit bestem Gewissen die Nachfolgeregelung in Kraft setze“, erklärte von Holtzbrinck damals in einer Mitteilung. Er freue sich auf seine künftige Rolle als „nicht operativer Verleger“ (Zitat aus „Horizont“).
In Stuttgart hatte Dieter von Holtzbrinck zuerst aus den Verlagsgeschäften seines Vaters einen Global Player aufgebaut − von Regionalzeitungen bis Buchverlage. Hier stieg er 2006 aus, gründete aber 2009 die DvH Medien GmbH, eines der großen Verlagsportfolios in Deutschland mit einem Umsatz 2022 in Höhe von 556,9 Millionen Euro. Anlässlich seines 80. Geburtstages Ende September 2021 schrieb „Horizont“ dann über ihn: „Einflussreich und fast nie zu sehen.“ Interviews gebe Dieter von Holtzbrinck selten, genauso wie es keine Webseite seiner Medienholding gebe. 2010 schrieb die „Süddeutsche Zeitung“, er sei schon einmal begrüßt worden mit: „Ich dachte, Sie sind ein Phantom!“
Geschäftsfelder
Der Konzern gliedert sich in sieben „global ausgerichtete dynamische Geschäftsbereiche“: Springer Nature, Macmillan Publishers und Holtzbrinck Buchverlage, Macmillan Learning, Holtzbrinck Digital, Digital Science, DIE ZEIT-Gruppe, Funds & Investments.
Springer Nature Group: 1842 gegründeter Verlag mit Hauptsitz in Berlin und mehr als 9.000 Beschäftigten; heute einer der größten Wissenschaftsfachverlage der Welt. Dazu gehören etwa die Wissenschaftszeitung „Nature“, die „Ärztezeitung“, „J.B. Metzler“ (Heidelberg) oder „Palgrave MacMillan“. 2023 setzte der Verlag rund 1,85 Milliarden Euro um (etwas mehr als die Hälfte also des Gesamtumsatzes von 3,6 Milliarden Euro, den Holtzbrinck nach eigenen Angaben gemacht hat). Anfang Oktober 2004 gelang der Springer Nature Group (an der Holtzbrinck mit 50,6 Prozent weiterhin die Kontrolle behält) ein erfolgreicher Börsengang.
Macmillan Publishers: eine der „Big Five“ englischsprachigen Verlagsgruppen (neben Penguin Random House, Hachette, HarperCollins, Simon & Schuster), gegründet 1843 in London von den schottischen Brüdern Daniel und Alexander MacMillan. Sie veröffentlichten zwei der bekanntesten Werke der Kinderliteratur der viktorianischen Zeit: „Alice im Wunderland“ (1865, von Lewis Carroll), „Das Dschungelbuch“ (1894, von Rudyard Kipling). Zu Macmillan Publishers gehören folgende Verlage (Auswahl): Farrar, Straus and Giroux, Picador, Celadon Books, Flatiron Books, Henry Holt and Company, Henry Holt and Company, Tor Publishing Group. Außerdem die deutschen Holtzbrinck Buchverlage: S. Fischer Verlage, Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch, Droemer Knaur, Argon Verlag. Hier noch ein Zitat des Firmengründers Georg von Holtzbrinck, das er auf dem Totenbett gesagt haben soll: „Die anderen mögen größer sein, wir aber haben Fischer und Rowohlt.“
DIE ZEIT-Gruppe: Wochenzeitung mit einer Auflage von über 600.000 verkauften Exemplaren und einer Reichweite von mehr als zwei Millionen Leserinnen und Lesern, „Deutschlands führende Qualitätszeitung“. „DIE ZEIT“, laut Holtzbrinck „Orientierungsmedium“ und „Plattform für den demokratischen Diskurs“. An der Verlagsgruppe halten Stefan von Holtzbrinck (gemeinsam mit den Erben seiner Halbschwester Monika Schoeller) und sein Halbbruder Dieter von Holtzbrinck je 50 Prozent der Anteile. Weiter gehören zur ZEIT-Markenfamilie: „ZEIT ONLINE“, „ZEIT AKADEMIE“, „ZEIT SPRACHEN“, „academics“, „e-fellows.net“, „GOOD JOBS“, „Good Conversations“, „STUDIO ZX“, „ZEIT CREDO“, „ZEIT WELTKUNST VERLAG“.
Macmillan Learning: Hier geht es um die „Entwicklung von Bildungsinhalten auf höchstem Niveau“. Kernmarken: Imprints wie Bedford/St. Martin’s, W.H. Freeman und Worth Publishers; die digitalen Plattformen Achieve und iClicker (mit einem breiten Spektrum digitaler Lehr- und Lernmethoden).
Holtzbrinck Digital: digitale Beteiligungen an Start-ups etwa im Wissenschafts- oder im Bildungsbereich
Digital Science: Beteiligungen an Unternehmensgründungen im Forschungs- und Wissenschaftssektor
Funds & Investments: Fondsbeteiligungen in „zukunftsträchtigen Bereichen“

