Umsatz 2023: € 2,564 Mrd.
Überblick
Das ZDF ist der zweite öffentlich-rechtliche TV-Sender in Deutschland. Es nahm am 1. April 1963 den regelmäßigen Sendebetrieb auf und ist heute das fünftgrößte öffentlich-rechtliche Fernsehunternehmen weltweit, nach ARD, BBC, NHK und France Télévisions. Medienpolitisch orientiert sich der im Mainzer Vorort Lerchenberg ansässige Sender an der britischen BBC und forciert eine Präsenz im Internet. Und doch: Die Bindung jüngerer Publikumsschichten an die Traditionsmarke ZDF bleibt ein Problem.
Basisdaten
Hauptsitz:
ZDF-Straße 1
55127 Mainz
Deutschland
Telefon: 0049 6131 70-1
Internet: http://www.unternehmen.zdf.de
Branche: Fernsehen, Online-Angebote
Rechtsform: nicht rechtsfähige, öffentlich-rechtliche Arbeitsgemeinschaft
Geschäftsjahr: 01.01.-31.12.
Gründungsjahr: 1961
Ökonomische Basisdaten (Betriebshaushalt; in Mio. €)
| 2023 | 2022 | 2021 | 2020 | 2019 | 2018 | |
| Erträge | 2.564 | 2.473 | 2.397 | 2.231 | 2.230 | 2.234 |
| Betriebsergebnis | 127,4 | 19,2 | -152 | -84 | -63 | -192 |
Geschäftsführung
Geschäftsleitung:
- Dr. Norbert Himmler, Intendant
- Karin Brieden, Verwaltungsdirektorin und stellvertretende Intendantin
- Dr. Nadine Bilke, Programmdirektorin
- Bettina Schausten, Chefredakteurin
- Dr. Florian Kumb, Direktor Audience
- Dr. Martin Rombach, Produktionsdirektor
- Peter Weber, Justitiar
Fernsehrat: Der Fernsehrat überwacht das Programm, genehmigt den vom Verwaltungsrat beschlossenen Haushalt und wählt den Intendanten (in geheimer Wahl für fünf Jahre). Der Rat besteht aus 60 Mitgliedern, die „von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen“ entsandt werden und „die Interessen der Allgemeinheit“ vertreten.
Verwaltungsrat: Der Verwaltungsrat überwacht die Finanzen und Investitionen des ZDF. Er beschließt den vom Intendanten vorgelegten Haushaltsplan sowie den Jahresabschluss und „legt beides dem Fernsehrat zur Genehmigung vor“. Er besteht aus 12 Mitgliedern: vier Vertreter der Bundesländer sowie acht vom Fernsehrat gewählte Mitglieder, „entsendet für eine Amtszeit von fünf Jahren“. „Die XIII. Amtsperiode begann am 01. Juli 2022 und endet im Sommer 2027.“ Aktuelle Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats ist die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Erster stellvertretender Vorsitzender des Gremiums ist Peter Heesen (Ehrenvorsitzender des dbb beamtenbund und tarifunion), zweite stellvertretende Vorsitzende ist die Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Thomaß (Universität Bochum).
Geschichte
Die Gründung des ZDF resultierte aus turbulenten medienpolitischen Auseinandersetzungen am Ende der Adenauer-Ära, als die Bundesregierung neben der ARD einen zweiten, diesmal staatsnäheren Sender plante. Nachdem man in Großbritannien 1955 mit ITV, dem „Independent Television“, eine privatrechtlich organisierte, werbefinanzierte Alternative zur öffentlich-rechtlichen BBC eingeführt hatte, wollten die Bundesregierung und Interessengruppen aus der Wirtschaft auch in Deutschland ein kommerzielles, aber unter Kontrolle des Bundes stehendes Fernsehprogramm. Ein Gegengewicht, das sich Konrad Adenauer wünschte, zu dem als linkslastig eingeschätzten Programm des NWDR (Gründungsmitglied der ARD, aus dem die beiden selbständigen Anstalten NDR und WDR wurden).
So entstand eine Konstruktion aus einer Bund-Länder-Trägergesellschaft und der kommerziellen Betreibergesellschaft „Freies Fernsehen GmbH“ (FFG). Doch die Versuche von Bundeskanzler Adenauer (CDU), die Länder durch Verhandlungen und Druck auf dieses Modell einzuschwören, scheiterten. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Peter Altmeier (CDU) opponierte in dieser Frage gegen den Kanzler. Im August 1960 klagten einige SPD-geführte Länder gegen das „Adenauer-Fernsehen“, weil sie ihre Hoheitsrechte in Rundfunkfragen verletzt sahen. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe stoppte die operativ schon weit gediehenen Senderpläne der FFG mit einer Einstweiligen Anordnung. Und am 28. Februar 1961 entschied es mit Verweis auf das Grundgesetz, dass der Bund lediglich für das Fernmeldewesen, aber nicht für Rundfunk zuständig sei. Damit war Adenauers TV-Projekt gescheitert.
Am 6. Juni 1961 schlossen die Länder daraufhin einen Staatsvertrag über die Gründung einer „gemeinnützigen Anstalt des öffentlichen Rechts mit Namen Zweites Deutsches Fernsehen“. Der neue Sender trat dann das programmliche und politische Erbe des „Adenauer-Fernsehens“ an und wurde zur öffentlich-rechtlichen TV-Konkurrenz für die 1950 gegründete ARD (die im Gegensatz zum ZDF auch Radio veranstaltet). Weil Rheinland-Pfalz noch ohne eigene Landesrundfunkanstalt war, stand mit der Landeshauptstadt Mainz auch der Sitz des neuen Senders bald fest. Und am 12. März 1962 wurde der Vertraute Adenauers, ehemalige Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg, Philosophieprofessor und Journalist Karl Holzamer (1906-2007) zum Gründungsintendanten des ZDF gewählt; er blieb Senderchef bis März 1977.
Anfangs nutzte das ZDF den bestehenden Studiobetrieb in Wiesbaden-Eschborn (also in Hessen), den das „Freie Fernsehen“ aufgebaut hatte: ein alter Bauernhof als Sendezentrum, eine Scheune als Studio, alte Ställe als Archive, Werkstätten und Schneideräume in der Nähe. Das ziemlich heruntergekommene Ensemble der „Baracken von Eschborn“ bzw. der vorläufige ZDF-Sitz, den man bald auch verächtlich „Telesibirsk“ nannte. Nach einigen Versuchssendungen in der zweiten Märzhälfte aber gelang am 1. April 1963 um 19:30 Uhr der Sendestart, mit 1.800 Mitarbeitern in 400 Büros. Finanzielle Grundlage: Von 5 DM Fernsehgebühren erhielt die ARD 3,60 DM und das ZDF 1,10 DM (der Rest ging an die Post). Dazu die Einnahmen aus zunächst zwölf Minuten, bald zwanzig Minuten Werbung pro Tag.
Das ZDF galt von Beginn an als konservativer als die ARD, im Informationsbereich symbolisiert etwa durch das nicht unumstrittene „ZDF-Magazin“ von Gerhard Löwenthal. Was allerdings den frühen Import von US-Serien, Programmexperimente und alternative Jugendsendungen nicht ausschloss. Auch dank der „Mainzelmännchen“-Figuren im Werberahmenprogramm konnte der Sender mit katholischer und moderat konservativer Grundierung, der sich auch selbst gern „das Zweite“ nennt („Mit dem Zweiten sieht man besser“), zu einer der stärksten Medienmarken Deutschlands werden.
Intendant Karl Holzamers Programm-Idee entsprachen insbesondere die großen Fernsehshows, mit denen sich das ZDF in den 1960er und 1970er Jahren profilierte. Massenwirksame Sendungen sollten die ganze Familie vor dem Bildschirm versammeln. Programmprägende Showmaster des ZDF waren in dieser Zeit Peter Frankenfeld („Vergissmeinnicht“), Lou van Burg („Der Goldene Schuss“), Hans Rosenthal („Dalli-Dalli“) und Wim Thoelke („3×9“, „Der Große Preis“). Verbunden waren diese Shows oft mit Engagement für einen guten Zweck, etwa mit einer Lotterie für die „Aktion Sorgenkind“ (später „Aktion Mensch“).
Ab 1969 (bis 1972) machte das ZDF mit der von Dietmar Schönherr und Vivi Bach präsentierten Samstagabend-Show „Wünsch Dir was“ von sich reden. In dieser für ihre Zeit modernen Show (einer Koproduktion mit ORF und SRG) traten Familien gegeneinander an und mussten sich in verschiedenen Prüfungen etwa im sozialen Verhalten bewähren. Der Auftritt einer jungen Kandidatin in einer transparenten Bluse im November 1970 sorgte dabei für Aufsehen im öffentlich-rechtlichen TV. Auch durch Fernseh-Kino-Koproduktionen (zum Beispiel mit Ingmar Bergman) sowie durch starke Non-Fiction-Abteilungen gewann das ZDF international Profil.
1982 wurde Dieter Stolte der dritte ZDF-Intendant, nach Günther von Hase (1917-2021, ZDF-Intendant von 1977 bis 1982). Stolte: zuvor Holzamers persönlicher Referent sowie u.a. Programmdirektor beim Südwestfunk in Baden-Baden. In seine zwanzigjährige Amtszeit fielen die Gründungen von 3Sat 1984 und arte 1992. Ab 1984 sendete das ZDF vom Mainzer Stadtteil Lerchenberg aus; den modernen Gebäudekomplex dort hatte man über zwanzig Jahre gebaut.
Das ZDF prägte auch die sogenannte „Auftragsproduktion“, d.h. die Auslagerung der Herstellung von Fernsehsendungen an formell unabhängige Produktionsfirmen. So entstanden etwa die „Weihnachtsmehrteiler“ des Produzenten Walter Ullbrich (TeleMünchen) in Koproduktion von ZDF, ORTF (Frankreich) und rumänischen Filmstudios. Diese TV-Epen, häufig nach Erzählungen von Jack London („Der Seewolf“, „Lockruf des Goldes“), waren Straßenfeger. Enge Beziehungen unterhielt das ZDF über Jahrzehnte mit dem Filmrechtehändler Leo Kirch, markiert durch wichtige personelle Querbeziehungen und langjährige Freundschaften innerhalb des Führungspersonals beider Häuser. Programmstärken des ZDF waren Fernseh-Krimis wie „Der Kommissar“, „Derrick“, „Der Alte“ (alle geschrieben von Herbert Reinecker), der „Fernsehfilm der Woche“ am Montag und leichtere Unterhaltungsstoffe („Schwarzwaldklinik“, „Das Traumschiff“).
Am 14. Februar 1981 startete die erfolgreichste Show des ZDF, „Wetten, dass …?“, erfunden und moderiert von Frank Elstner. Die Ausgabe mit der höchsten Einschaltquote aller Zeiten lief am 9. Februar 1985: mit, noch vor dem Mauerfall, 23,42 Millionen Zuschauern. Als Elstner sich 1987 zurückzog, übernahm Thomas Gottschalk die Sendung. Gottschalk wurde zu einem der bekanntesten Fernsehgesichter Deutschlands, und zum populärsten des ZDF. „Wetten, dass …?“ erreichte noch 2008 teilweise mehr als zehn Millionen Zuschauer. Anfang 2011 kündigte Thomas Gottschalk seinen Abschied als Moderator an, nachdem er im Dezember 2010 eine Sendung wegen eines schweren Unfalls abbrechen musste (der Wettkandidat Samuel Koch erlitt schwere Verletzungen bei dem Versuch, „mit Sprungfedern an den Füßen über ein fahrendes Auto zu springen“). Im darauffolgenden Jahr, in dem Gottschalk mit seinen (nicht wenigen) Abschiedssendungen wiederholt Marktanteile von über 40 Prozent erreichte, wurde intensiv über Nachfolgemoderatoren spekuliert. Schließlich wurde Markus Lanz 2012 als Nachfolger präsentiert. Unter ihm entwickelte sich die Show aber zum Quotendesaster und wurde 2014 nach 33 Jahren abgesetzt. Im November 2021 kehrte Thomas Gottschalk noch einmal zurück, im November 2023 aber war es wieder, bis auf Weiteres endgültig, vorbei.
Zu den bekannten neuen Programm-Marken der 2000er Jahre gehörten die Polit-Talkshow „Maybrit Illner“, das Magazin „Frontal 21“, Dokumentar-Reihen („ZDF Expedition“, History-Dokumentationen des „ZDF-Historikers“ Professor Guido Knopp) und der Entertainment-Talk mit Johannes B. Kerner (1998 kam er von Sat.1 zum ZDF, ging allerdings 2009 wieder zu Sat.1 zurück). Mit Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen oder ähnlichen Stoffen konkurrierte der Mainzer Sender (und konkurriert nach wie vor) gegen die härteren Krimis der ARD am Sonntag. Experimentelles und jüngeres Programm wurde im „Kleinen Fernsehspiel“ montags gegen Mitternacht gezeigt.
Um die Frage, wer Dieter Stoltes Nachfolger als ZDF-Intendant werden sollte, wurde lange gerungen innerhalb des in zwei parteipolitische Lager gespaltenen ZDF-Fernsehrats. Stolte selbst bezeichnete den Streit als „unsachgemäß und schädlich“. Erst im fünften Wahlgang erzielte ein Kandidat die erforderliche Mehrheit: Ab März 2002 war Markus Schächter der vierte ZDF-Intendant. Schächter, der sich u.a. gegen den ARD-Programmdirektor Günter Struve durchgesetzt hatte, war zuvor im ZDF durch nahezu alle Abteilungen gegangen und zuletzt als Programmdirektor tätig. Im Vergleich zu seinem mitunter autokratisch amtierenden Vorgänger Stolte galt Schächter als Teamspieler. Er wurde dann vorzeitig für eine zweite fünfjährige Amtszeit (ab 15.3.2007) wiedergewählt.
2008 bescherte ein alter Mitarbeiter dem ZDF einige Aufmerksamkeit: Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der im ZDF lange „Das Literarische Quartett“ moderierte, wies bei der turnusgemäß vom ZDF ausgerichteten Verleihung des Deutschen Fernsehpreises die Ehrung für sein Lebenswerk zurück. Grund: die schlechte Qualität des Fernsehens. Das ZDF reagierte, indem es Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk „Aus gegebenem Anlass“ über das Themenfeld talken ließ.
Viel Aufsehen erregte 2009/10 die sogenannte „Affäre Brender“. Im März 2009, als Unions-Politiker im ZDF-Verwaltungsrat, besonders der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, die von Markus Schächter vorgeschlagene Vertragsverlängerung für Chefredakteur Nikolaus Brender verhindern wollten, kamen Diskussionen auf über den starken Einfluss der Parteien auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (z.B. Frank Schirrmacher in der FAZ: „Angriff auf das ZDF“). Trotz eines offenen Briefs von 35 Verfassungsrechtlern und eines im Internet von fast 39.000 Menschen unterzeichneten Appells für die Rundfunkfreiheit beschloss der Verwaltungsrat am 27.11.2009, Brenders Vertrag nicht zu verlängern. Intendant Schächter erklärte: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass sogar mein mit Nikolaus Brender abgestimmter Versuch, die festgefahrene Situation durch einen Kompromiss zu lösen, nämlich eine verkürzte Beauftragung bis Januar 2012, nicht mehrheitsfähig war“. Dennoch machte er dem Verwaltungsrat einen anderen Personalvorschlag, den das Gremium durchwinkte: Zum 1. April 2010 wurde der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Peter Frey, neuer ZDF-Chefredakteur. Seine Nachfolge trat die Leiterin der Hauptredaktion Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik, Bettina Schausten an. Frey galt als eher linksliberal, Schausten als CDU-nah; das beim ZDF übliche parteipolitische Gleichgewicht blieb gewahrt. Doch der im Sender (wie in den ARD-Anstalten) gern gepflegte Anschein der Staatsferne ist seitdem ramponiert.
Anfang 2011 hatte Markus Schächter angekündigt, sich nicht mehr zur Wiederwahl zu stellen. Im Juni 2011 lief die Wahl des fünften ZDF-Intendanten dann reibungslos ab: Am 15. März 2012 wurde ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut (Jahrgang 1955), Schächters Wunschkandidat, sein Nachfolger. Auf der einflussreichen Programmdirektor-Position gelang es Bellut, Norbert Himmler zu platzieren, den Chef von ZDFneo (des erfolgreichsten Digitalablegers). Was als Zeichen gewertet wurde, dass der neue Intendant mit seiner Ankündigung ernst machte, „mit unserem Programm verstärkt jüngere Zuschauer“ erreichen zu wollen.
Im Frühjahr 2014 entschied das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil zum ZDF-Staatsvertrag, dass der ZDF-Fernsehrat mit zu vielen Parteimitgliedern besetzt sei. 2011 hatte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) einen Normenkontrollantrag gegen den Staatsvertrag gestellt, damit in höchster Instanz und „im Interesse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ geklärt werde, „ob die Gremien des ZDF zu stark von Vertretern der Politik und des Staates dominiert“ sind – ein später Nachhall der Brender-Affäre. Das ZDF selbst forderte in einer beim Verfassungsgericht eingereichten Stellungnahme, dass die in seinen Aufsichtsgremien vertretenen gesellschaftliche Gruppen ihre Vertreter künftig ohne staatliche Bestätigung entsenden sollten und so der staatliche Einfluss reduziert wird.
Management
Der Einfluss der ZDF-Aufsichtsgremien (Fernsehrat, Verwaltungsrat), die hochrangig politisch besetzt sind, gilt als stark. Ebenso typisch für den öffentlich-rechtlichen Sender ist die prägende Rolle langfristig amtierender Intendanten. Die Führung des ZDF zeichnet sich durch Kontinuität aus; in der gesamten Sendergeschichte seit 1961 gab es bislang nur sechs Intendanten.
„Auf dem Mainzer Lerchenberg gilt die Kronprinzenregelung“, schrieb der „Spiegel“ Anfang Juli 2021. „Auch weiterhin. Im Hauptsitz des ZDF tritt nach dem geordneten Abschied des Intendanten der amtierende Programmdirektor die Regentschaft an. So geht es seit vielen Jahren, so ist es auch heute wieder. Auf Thomas Bellut, Programmdirektor zu Mainz von 2002 bis 2012 und eben dort Intendant von 2012 bis 2022, folgt Norbert Himmler, seit 2012 Programmdirektor im rheinhessischen Funkhaus.“
Seit März 2022 ist Dr. Norbert Himmler (geboren 1971 in Mainz) ZDF-Intendant. Er war zuvor zehn Jahre lang ZDF-Programmdirektor (2012-2022), und zuvor, seit 2009, Chef des Digitalprogramms ZDFneo (der Sender, der verstärkt jüngere Zuschauer ansprechen soll). In einer Zeit also noch vor Netflix, das es seit September 2014 in Deutschland gibt, und vor anderen Streaminganbietern. Einer Zeit, in der sich ein Spartenkanal wie ZDFneo (unter „ZDF-Gewächs“ Norbert Himmler) noch eine großartige US-Serie wie Mad Men exklusiv sichern konnte.
Programmdirektorin und Nachfolgerin von Norbert Himmler ist Dr. Nadine Bilke, geboren 1976 in Recklinghausen, auch sie zuvor Senderchefin von ZDFneo (2018-2022). Aktuelle ZDF-Chefredakteurin seit dem 1. Oktober 2022 ist Bettina Schausten (geboren 1965), die auch eine Zeit lang für den Posten der Programmdirektorin gehandelt wurde.
Geschäftsfelder
Die Rundfunkanstalt Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF), die ARD und das Deutschlandradio bilden den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Anders als die ARD veranstaltet das ZDF keine Radioprogramme, dafür neben dem Hauptprogramm des ZDF aber die digitalen Spartenkanäle ZDFneo (zuvor ZDFdokukanal, „Dokumentationen und Reportagen“) und ZDFinfo (zuvor ZDFinfokanal, „Unterhaltung, Service und Dokumentationen“).
Das ZDF ist an den folgenden Programmen beteiligt: 3Sat (mit 32,5 Prozent), Phoenix (mit 50 Prozent), Arte (mit 50 Prozent an Arte Deutschland, 25 Prozent an Arte G.E.I.E.), KiKA (mit 50 Prozent). Weiter betreibt das ZDF die Tochterunternehmen ZDF Werbefernsehen und ZDF Studios (zuvor ZDF Enterprises): „Programmeinkauf, Vertrieb und Koproduktionen“, mit Beteiligungen an 19 Produktionsfirmen, die vor allem das ZDF-Programm bedienen (u.a. Network Movie, doc.station, Gruppe 5 Filmproduktions GmbH). Außerdem haben ZDF Enterprises 2007 für etwa acht Millionen Euro eine 49-prozentige Beteiligung an der Bavaria Fernsehproduktion GmbH übernommen (2017 umbenannt in Bavaria Fiction GmbH).
Aktuelle Entwicklung
Anfang 2024 wurde gemeldet: „Expertenrat dringt auf weitreichenden Umbau der öffentlich-rechtlichen Sender (ARD, ZDF, Deutschlandradio)“ bzw.: „Effizienter, schlanker, digitaler. Ein einflussreiches Gremium der Bundesländer hat einen weitreichenden Masterplan zum Umbau der Öffentlich-Rechtlichen vorgestellt.“ Folgendes würden die Experten planen: Die bisherige Struktur von drei eigenen Sendern solle bestehen bleiben, wie auch die Struktur von neun ARD-Häusern (die sich „stärker auf das Regionale fokussieren und auch Bürgernähe suchen“ sollten). Der Rat schlug für die ARD eine neue Dachorganisation vor, die zentrale Aufgaben und das zentrale Programm steuert – was Doppelstrukturen in den neun ARD-Häusern abbauen soll. Auch im ZDF soll eine „zeitgemäße Managementkultur“ gefördert werden.
Zitat „Spiegel“ vom 18.01.2024: „Die Vorsitzende des Rats für die zukünftige Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Zukunftsrat), Julia Jäkel, sprach von einem „Kraftakt“ der Länder, der erforderlich sei. Historisch gewachsene Strukturen müssten angepasst werden. Auf die Frage, wann die Ideen aus Sicht des Rats umgesetzt werden müssten, sagte Jäkel: ,Es eilt, schnellstmöglich.‘ Derzeit steckten die Öffentlich-Rechtlichen in einer Abwärtsspirale.“
Ende Oktober 2024 wurden weitere Einzelheiten bekannt. Die Ministerpräsidenten der Länder waren sich nach jahrelangen Diskussionen einig, „dass eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erforderlich ist“. Ziel sei es, „ARD, ZDF und Deutschlandradio digitaler, schlanker und moderner aufzustellen und ihre Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern zu stärken.“ Auch bei den Spartenkanälen waren Kürzungen vorgesehen: Zwei der bislang vier Infokanäle sollten wegfallen, Arte und 3Sat sowie ZDFneo und One (Spartenkanal der ARD) enger kooperieren. Ausgaben für Sportrechte wollte man deckeln. Auf eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags konnten sich die Länderchefs aber nicht einigen. Sachsen-Anhalt und Bayern etwa wollten keine Erhöhung – und sagten, erst müsse es Reformen geben. Andere Länder waren für eine Beitragserhöhung, auch mit Blick auf die erst langfristigen Effekte durch Reformen und die Inflation.

