Die 10 größten deutschen Medien- und Wissenskonzerne 2023

Lesedauer:

10–15 Minuten

3. Axel Springer SE

Umsatz 2023: € 4,000 Mrd.

Überblick

Im September 2024 wurde bekannt, dass es einen Umbau der Axel Springer SE, der traditionsreichen, mächtigen Institution der deutschen Medienlandschaft, bis zum zweiten Quartal 2025 geben wird. Der Konzern plant eine Aufspaltung seiner Geschäfte und wird wieder ein familiengeführtes Medienhaus. Konkret wird der Medienbereich (Bild, Welt, Business Insider, Politico) im Besitz von Friede Springer und Mathias Döpfner bleiben (dazu u.a. das Online-Vergleichsportal „Idealo“).

US-Finanzinvestor KKR (New York) und CPP Investments (Toronto) werden die Mehrheitskontrolle über das „Classifieds“-Geschäft, die Job- und Immobilienportale (u.a. StepStone- und Aviv-Gruppe) übernehmen. Das Handelsblatt schrieb am 19.09.2024: „Mathias Döpfner kontrolliert nun zusammen mit Friede Springer einen der größten Medienkonzerne Europas – und kann durchregieren.“ 2025 werde der Umsatz voraussichtlich rund 2,2 Milliarden Euro betragen.

Basisdaten

Hauptsitze: 
Axel Springer Haus Berlin
Axel-Springer-Straße 65    
10888 Berlin
Deutschland
Telefon: 0049 30 2591-0
Internet: axelspringer.de

Axel Springer Haus Hamburg
Axel Springer Platz 1
20350 Hamburg
Deutschland
Telefon: 0049 40 3472 4499

Branche:
Zeitungen, Zeitschriften, Druckbetriebe, Pressevertrieb, Fernsehsender, Radio, Onlinedienste, TV-Produktion
Rechtsform: Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea/SE)
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1946

Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. €)

202320222021202020192018
Konzernumsatz4.0003.9003.1002.9663.1123.181
Gewinnn/a750439206414,5528
Beschäftigte (ungefähr)18.00018.00016.80016.10016.12016.350

Geschäftsführung

Vorstand

  • Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender
  • JMark Dekan, CFO
  • Claudius Senst, COO

Aufsichtsrat:

  • Ralph Büchi, Aufsichtsrats­vorsitzender
  • Dr. h.c. Friede Springer, Berlin, Stellv. Vorsitzende
  • Andrej Babache
  • Philipp Freise
  • Oliver Heine, Rechtsanwalt, Hamburg
  • Johannes P. Huth
  • Franziska Kayser
  • Prof. Dr. Wolfgang Reitzle, Holcim
  • Martin Varsavsky, Prelude Fertility

Geschichte

Der Axel Springer Verlag geht zurück auf den 1789 gegründeten Druckereiverlag Hammerich & Lesser in Altona bei Hamburg. 1909 erwarb der Kaufmann Hinrich Springer den maroden Betrieb, der ab 1924 die täglichen „Altonaer Nachrichten“ herausgab. 1941 fiel das Blatt an das NS-Presseimperium. Verlegersohn Axel Cäsar Springer erhielt nach Kriegsende eine Lizenz für „Hör zu“, die er zur meistgelesenen Programmzeitschrift der Bundesrepublik Deutschland ausbaute. Andere Objekte folgten: 1948 stieg Springer mit dem „HamburgerAbendblatt“ in den Zeitungsmarkt ein, 1952 gründete er die „Bild“Zeitung, 1953 erwarb er von britischen Besatzungsoffizieren „Die Welt“.

In Berlin kaufte sich Springer Ende der 1950er Jahre in die Ullstein AG ein („BerlinerMorgenpost“, „B.Z.“) ein. Den Zeitschriftenverlag Kindler & Schiermeyer („Eltern“, „Jasmin“) stieß Springer nach nur drei Jahren wieder ab – unter dem Eindruck einer öffentlichen Debatte über die große Springer-Meinungsmacht und über eine Konzentrationsregelung im deutschen Pressewesen. In den 1970er Jahren stieg der Presseunternehmer in Regionalblätter und Spezialzeitschriften ein. Auch ins Fernsehen wollte Springer früh investieren und 1965 das ZDF kaufen, konnte Pläne eines Verleger-TV aber nicht vollenden.

Jahrelang hat Axel Springer mit seinem patriarchalischen Stil die Unternehmenskultur geprägt. Der Verlag fühlte sich als Familie, die schweren Angriffen zu widerstehen hatte – etwa denen der APO (außerparlamentarische Opposition der Studentenbewegung) in den 1960er Jahren. Damals galt der sich für die Wiedervereinigung mit der DDR einsetzende Springer als Symbol eines repressiven Staates.

Nach Axel Springers Tod 1985 brach im Management Streit aus, von dem sich das Unternehmen lange nicht erholte. Die badische Verlegerfamilie Burda erwies sich nicht als die gedachte Stütze. Burda verkaufte bereits 1988 sein erst 1983 erworbenes Springer-Aktienpaket von knapp 25 Prozent wieder an die Springer-Familie, nachdem es zunächst dem Münchner Filmhändler Leo Kirch zufallen sollte. Der hatte im Zuge des Springer-Börsengangs 1985 vorab einen Aktienanteil von 10 Prozent erworben, den er anschließend ausbaute.

Kirchs Kampf um Springer wurde für einige Jahre das zentrale Thema im Konzern. Wenn Springer-Spitzenmanager nicht untereinander kämpften, dann mit dem expansionswilligen Großaktionär. Unter Vorstandschef Peter Tamm eskalierte der Konflikt bis hin zu mehreren Gerichtsverfahren. Nach einer Ruhezeit unter den Tamm-Nachfolgern Günter Wille und Günter Prinz, die auf einen „Friedensschluss“ zwischen der Springer-Familie und Kirch 1990 zurückging, ging Jürgen Richter, Springer-Vorstandsvorsitzender von 1994 bis 1997, wieder auf Konfrontationskurz mit Kirch. Er übernahm die Mehrheit an dem Sat.1-Gesellschafter Aktuell Presse Fernsehen (APF) und erhöhte das Gewicht des Zeitungskonzerns wieder im von Kirch beherrschten Sender: Springer verfügte schließlich über 40 Prozent des Sat.1-Kapitals und vier von acht Aufsichtsratsstimmen. Nach trickreichen Gegenattacken Kirchs aber musste Jürgen Richter seinen Posten räumen.

Seit Mitte der 1980er Jahre brachte das Verlagsmanagement immer neue Ableger der „Bild“ heraus, von „Bild der Frau“ bis „Sport-Bild“, und investierte im Ausland. Im Fernsehgeschäft beteiligte sich der Verlag zunächst im Schatten Kirchs an Sat.1 und dem Deutschen Sport-Fernsehen DSF (seit 2010 Sport1) sowie an der Sportrechte-Agentur ISPR.

1996 konsolidierte Springer sein TV-Geschäft: Die verlustreiche DSF-Beteiligung wurde verkauft, die Sat.1-Beteiligung aufgestockt. 1998 kamen Beteiligungen an Produktionsfirmen hinzu: So wollte der Verlag TV-Inhalte an Sat.1 liefern, wo Springer inzwischen für den journalistischen Part zuständig war, die operative Führung aber an Kirch abgetreten hatte. Schließlich einigten sich die Partner im Jahr 2000: Springer gab die Sonderposition bei Sat.1 auf, erhielt dafür 11,5 Prozent an der neuen Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG – verbunden mit dem Recht, dieses Aktienpaket spätestens im Februar 2002 für 767 Millionen Euro an Kirch zu verkaufen.

Was Mathias Döpfner, seit 2002 Springer-Vorstandsvorsitzender, auch tat. Und was die Insolvenz der Kirch-Gruppe zur Folge hatte. So konnte sich der Verlag nicht nur von den Problemen mit Leo Kirch befreien, auch die Bilanz, die 2001 noch enorme Verluste ausgewiesen hatte, besserte sich. Döpfner investierte in ausländische Publikationen, vornehmlich in Osteuropa, wo Springer in Polen die Boulevardzeitung „Fakt“ und in Russland eine Lizenzausgabe von „Forbes“ gründete. Die versuchte Übernahme der Londoner Zeitungsgruppe rund um den „Daily Telegraph“ aber scheiterte 2004, weitere Investitionen galten elektronischen Medien. Eine weitere Niederlage erlitt Döpfner Anfang 2006, als das Bundeskartellamt Springer die Mehrheitsübernahme des Münchner TV-Konzerns ProSiebenSat.1 untersagte (Übernahme von Großaktionär Haim Saban zum Preis von 2,45 Milliarden Euro). Eine Entscheidung begleitet von einer öffentlichen Debatte über die Meinungsmacht des Springer-Konzerns.

Einen weiteren Einschnitt gab es 2013 mit dem Verkauf eines Großteils von Regionalzeitungen und Magazinen an die Funke Mediengruppe (etwa die „BerlinerMorgenpost“ („MoPo“), „Hörzu“, „Hamburger Abendblatt“, „Bild der Frau“, „Frau von Heute“, „TV Digital“) für 920 Millionen Euro. Beobachter werteten dies zunächst als Beleg dafür, dass der Springer-Konzern und Döpfner das Interesse an Journalismus komplett verloren hätten. Ende 2013 aber wurde die Übernahme des Nachrichtensenders N24 verkündet, der in die „Welt“-Gruppe integriert wurde (2018 dann die Namensänderung zu WELT TV). Im September 2015 kaufte die Axel Springer SE rund 88 Prozent an BUSINESS INSIDER (später 97 Prozent), einer Website mit Wirtschafts- und Finanznachrichten. Und ab April 2016 wurde neben dem Axel-Springer-Haus an der Ecke Zimmerstraße (ab 2008 Rudi-Dutschke-Straße) und Axel-Springer-Straße ein neues, modernes Verlagsgebäude errichtet. Am 6. April 2020 das Delisting: Die New Yorker Investmentgesellschaft KKR hatte rund 45 Prozent der Springer-Aktien übernommen. Springer wurde von der Börse genommen, eine 35 Jahre währende Ära als börsennotiertes Unternehmen endete. Im August 2021 dann ermöglichte KKR den Kauf der US-Tageszeitung „Politico“, zum Preis von über eine Milliarde US-Dollar.

Management

Seit Anfang 2002 steht Mathias Döpfner an der Spitze des Vorstands. Der promovierte Musikwissenschaftler, geboren 1963 in Bonn, wurde 1982 Redakteur der „FrankfurterAllgemeinen Zeitung“. 1992 wechselte er als Vorstandsassistent zu Gruner + Jahr, bevor er die Chefredaktionen der „Wochenpost“ (DDR-Wochenzeitung, gegründet 1953, 1996 eingestellt), der „Hamburger Morgenpost“ und der „Welt“ leitete. Bei Springer löste er August Fischer ab, der mit einer Expansion im Ausland und bei elektronischen Medien gescheitert war. Als Spitzenmanager ist Döpfner trotz Rückschlägen weitaus erfolgreicher als bei seinen Engagements als Chefredakteur: Nachdem ein sehr kurzer Einstieg ins Postgeschäft dem Konzern 2007 noch einen Fehlbetrag in Höhe von 288,4 Millionen Euro bescherte, folgte bereits im Geschäftsjahr 2008 der höchste Jahresüberschuss seit Gründung des Unternehmens.

Döpfner scheut keine Kontroversen. Vor dem Hintergrund der umstrittenen Vergangenheit des Springer-Verlags suchte er immer wieder den Dialog mit prominenten Kritikern wie Günter Grass, der seit 30 Jahren Springer-Publikationen boykottiert. Hier zeigte Döpfner sich bereit zu einer „selbstkritischen Revision“ der Rolle des Verlags 1968, sofern auch die damaligen Gegner „über die inhaltlichen Verirrungen der 68er Bewegung“ diskutieren würden.

Allerdings gelang es ihm hier nicht immer, die von ihm angesprochenen damaligen Aktivisten zu erreichen. Als klar geworden war, dass der West-Berliner Polizist, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hatte, ein Stasi-Agent war, forderten Döpfner und „Welt“-Chefredakteur Thomas Schmid Entschuldigungen für „Enteignet Springer“-Forderungen der 1960er Jahre. Und im Juli 2009 kündigte der Verlag an, das „Springer-Tribunal“, das 1968 die damaligen Gegner des Konzerns planten, nachzuholen. Im August aber erfolgte bereits die Absage („68er verweigern Dialog“), das „Springer-Tribunal 2009″ war gescheitert. Am Ende führten die Versuche, die Debatte neu zu beleben, allerdings zu rund 5.900 jetzt dank Springer online verfügbaren Pressequellen aus den 1960er Jahren (medienarchiv68.de).

Besonders schieden sich die Geister an Döpfners Plänen einer medienübergreifenden Expansion ins Fernsehen 2005/2006. Kritiker befürchteten eine Gefährdung der Meinungsvielfalt. Im Zusammenhang mit der (zuvor Springer verbotenen) Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch die ausländischen Finanzinvestoren Permira und KKR wurden Stimmen laut, die für einen Verbleib dieser TV-Sender in deutscher Hand plädierten. Seither beeinflusste die Frage der Meinungsmacht privater Medienkonzerne in Zeiten rasanter Konvergenz die Unternehmensstrategie des Berliner Verlagshauses und führte zu verstärkter internationaler Expansion.

Auch zu für Presseverlage immer drängenderen Fragen nach der Zukunft ihrer Erlöse in der digitalen Ära nimmt Döpfner oft Stellung. Springers Bemühungen um journalistische Bezahl-Inhalte im Internet werden von der Konkurrenz gespannt beobachtet. International Beachtung erregte seine Aussage im amerikanischen Fernsehen, wegen des iPads solle jeder Verleger „sit down once a day and pray to thank“ dem Apple-Chef Steve Jobs. November 2010 erläuterte er seine Aussage im Handelsblatt: Dass da vielleicht auch etwas Ironie im Spiel war, kam in Deutschland so nicht an. In der gleichen Sendung habe ich allerdings hinzugefügt: Nachdem wir gebetet haben, sollten wir mit Steve Jobs verhandeln. Denn die Preise und die Endkundenkontrolle sind nicht akzeptabel. Das war unmissverständlich. Es wäre so schön gewesen, wenn die Kritiker meines ersten Satzes noch ein paar Minuten Geduld für die folgenden Sätze aufgebracht hätten.“

2011 vermeldete die Süddeutsche Zeitung, dass Döpfner „offenbar höhere Bezüge als der bestbezahlte Vorstandschef eines Dax-Konzerns“ erhält. Im selben Jahr erwies sich Döpfner als wortgewaltiger Vertreter der großen deutschen Zeitungsverlage, die gegen die „Tagesschau“-App der ARD klagten. Döpfner damals in der Süddeutschen Zeitung: „Die Klage ist der Warnruf einer ganzen Branche. Alle privaten Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, auch die privaten Fernsehanbieter sind in Sorge, dass im Zuge der Digitalisierung durch einen Missbrauch der dominierenden, marktverzerrenden Rolle der Öffentlich-rechtlichen die Geschäftsgrundlage für Qualitätsjournalismus und damit Meinungsvielfalt in Deutschland verloren geht…“. Zum zehnjährigen Jubiläum Mathias Döpfners als Vorstandsvorsitzender 2012 würdigte die taz, wie der „smarte Großgeldverdiener und Branchenoptimist … dem verschüchterten alten Gewerbe der Zeitungsmacher mit fröhlicher Penetranz die Zukunft singt“.

Döpfner ist Mitglied im Board of Directors von Warner Music, Teil von Access Industries (Platz 32 in unserem Ranking) seit Mai 2014, und seit September 2018 Mitglied im Board of Directors von Netflix (Platz 13). Laut dem Wirtschaftsmagazin Bilanz belief sich Döpfners Vermögen 2016 auf 150 Millionen Euro. Dazu erhielt er 2020 eine Aktien-Schenkung von Friede Springer im Wert von rund einer Milliarde Euro.

Geschäftsfelder

Die Axel Springer SE, ein führendes europäisches, auch transatlantisches Medienunternehmen mit über 200 Marken. Wie im September 2024 bekannt wurde, wird Springer ab Q2 2025 wieder ein „familiengeführtes Medienhaus“. Das aus den folgenden Marken bestehen wird: „Bild“, „WELT“, Business Insider, „Politico“(plus das Online-Vergleichsportal Idealo), und sich von den Job- und Immobilienportalen trennt (StepStone- und Aviv-Gruppe).

„Bild“: täglich erscheinendes Flaggschiff des Konzerns – seit März 2008 nicht mehr in Hamburg, sondern mit den wichtigsten Redaktionen in Berlin ansässig (Axel-Springer-Hochhaus). Die Erstausgabe der „Bild“ erschien am 24. Juni 1952, kostete 10 Pfennig und hatte vier Seiten. Auflage: 455.000. Heute ist sie die auflagenstärkste, somit auch bei Politikern beliebte deutsche Tageszeitung. 2024 lag die verkaufte Auflage bei ca. 973.000 Exemplaren. Eine Auflage, die zum einen stark rückläufig ist (1998 waren es noch rund 4,4 Millionen Exemplare), zum anderen konnten 2023 erstmals digitale Umsätze den Print-Verlust ausgleichen. 2022 waren es etwa 600.000 Digital-Abonnenten; das kostenpflichtige Digitalangebot „Bild plus“ ist das größte in Europa und das zehntgrößte weltweit. Und „Bild.de“ ist Deutschlands am meisten besuchte Nachrichtenseite. Künftig soll die gedruckte Bild-Zeitung komplett eingestellt werden und nur noch digital erscheinen. Dazu veröffentlicht der Springer-Verlag zahlreiche weitere Publikationen unter ähnlichem Namen, z.B. „Bild am Sonntag“, „Auto Bild“, „Sport Bild“, „Computer Bild“. Der Sender „Bild TV“ wurde 2023 nach nur zwei Jahren eingestellt.

„WELT“: überregionale, konservativ eingeordnete Tageszeitung. Ersterscheinung am 2. April 1946 in Hamburg, in der britischen Besatzungszone. 1953 wurde die „WELT“ von Springer übernommen. Auch „WELT“ leidet unter deutlichem Rückgang der Auflage, die 2013 noch bei etwa 138.000 lag. 2023 waren es nur noch 36.000. Ende 2013 übernahm Springer den Nachrichtensender N24, der in die „WELT“-Gruppe integriert wurde (2018 dann die Namensänderung zu WELT TV). Bis zur bundesweiten Einführung der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ 2001 waren „Bild am Sonntag“ und „WELT am Sonntag“ konkurrenzlose Sonntagszeitungen, was auch die Sonderstellung Springers im deutschen Pressemarkt begründete.

Weiter zum Springer-Konzern gehört die Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“, 1877 gegründet, auch sie derzeit mit großem Auflageverlust. Von rund 284.000 im Jahr 1998 ging es bis 2023 bergab auf 74.000 Exemplare. „B.Z.“: nicht zu verwechseln mit der „Berliner Zeitung“ und der „B.Z. am Abend“, heute „Berliner Kurier“ (beide ursprünglich aus Ost-Berlin, erscheinen im Silke und Holger Friedrich gehörenden Berliner Verlag).

Insider Inc. (New York): Im September 2015 kaufte die Axel Springer SE für 306 Millionen Euro rund 88 Prozent an Business Insider Inc. (später 97 Prozent), einer 2007 gegründeten Website mit Wirtschafts- und Finanznachrichten. Die Umbenennung in Insider Inc. erfolgte im Dezember 2017, als man auch eine Fokussierung auf Themen wie lifestyle und general interest plante. „International Editions“ erscheinen für den deutschen, niederländischen, spanischen, polnischen, indischen und japanischen Markt.

„Politico“: 2007 in Washington, D.C. gegründete US-Tageszeitung (Auflage: rund 40.000 Exemplare), seit 2015 auch mit einer europäischen Ausgabe (die wöchentlich erscheint). „Inhaltlich liegt der Fokus auf ausführlichen politischen Hintergrundrecherchen, bildet also eher ein Gegengewicht zur üblichen Netzberichterstattung (…) Man wollte „die Mächtigen informieren“, und das funktioniert: Der hauseigene Newsletter „Playbook“ hat den Ruf, ein Must-Read für die Abgeordneten zu sein.“ (Der Spiegel) Springer hat das Unternehmen 2021 übernommen.

Außerdem z.B.: Bonial (digitales Prospektportal), Dyn Media (Sport-Streaming, Köln), eMarketer (Marktforschung), das Joint-venture Ringier Axel Springer Polen.

Aktuelle Entwicklung

Kern der aktuellen Entwicklung von Springer ist natürlich die Zweiteilung von Deutschlands größtem Verlag, die im September 2024 bekannt wurde. Die Aufspaltung des Unternehmens in ein „familiengeführtes Medienunternehmen“ („Bild“-Gruppe, „Welt“-Gruppe, Business Insider, „Politico“, Idealo u.m.), und das Geschäft mit Kleinanzeigen (The Stepstone Group, AVIV, finanzen.net, Awin). Hier wird KKR die Mehrheitskontrolle übernehmen. Eine Minderheitsbeteiligung an der Kleinanzeigen-Sparte sollen aber Döpfner und Friede Springer behalten. Das künftige Medienunternehmen wird dann zu 98 Prozent im Besitz von Mathias Döpfner, der einen neuen Fünfjahresvertrag als CEO unterschrieben hat, und Friede Springer sein. Die restlichen Anteile behält Axel Sven Springer, ein Enkel des Firmengründers Axel Springer.

Das Handelsblatt zu dem Deal: „Döpfner ist der größte Gewinner“, er habe „seinen Einfluss als einer der wichtigsten Medienmanager Europas stark erweitert“. Probleme könnten allerdings aus der Tatsache entstehen, dass es dann kaum mehr Quersubventionen geben wird, zwischen dem mühsamen Content-Geschäft, zwischen den Printmedien, die im 21. Jahrhundert von sinkenden Auflagen betroffen sind. Und dem lukrativen Classifieds-Geschäft, das seit etwa 2010 die Rückgänge im Print kompensieren konnte. Im ersten Halbjahr 2023 machten die digitalen Erlöse 85,5 % des Konzernerlöses aus. Zuwächse im Medienbereich gibt es bei Politico. Ansonsten wächst vor allem der Recruiting-Markt, darunter StepStone.

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