Die 10 größten deutschen Medien- und Wissenskonzerne 2023

Die 100 größten Medien- und Wissenskonzerne 2023

Lesedauer:

7–11 Minuten

79. Hubert Burda Media (6. in DE)

Umsatz 2023: € 2,921 Mrd.

Überblick

Hubert Burda Media besteht aus drei operativen Unternehmensbereichen mit jeweils mehreren Profitcentern: Consumer Media (internationales Medien- und Verlagsgeschäft), B2B Media Services (B2B-Dienstleistungen), Commerce (Internet-Aktivitäten in E-Commerce und Travel, Investmentgeschäft in Digitalunternehmen). Burda ist mit rund 500 Produkten aktiv in Deutschland und 11 weiteren Ländern.

Basisdaten

Hauptsitze:
Hubert Burda Media Holding Kommanditgesellschaft
Hubert-Burda-Platz 1
77652 Offenburg 
Deutschland
Telefon: 0049 781 84-01
Website: burda.com/de

Arabellastraße 23 
81925 München 
Deutschland
Telefon: 0049 89 9250-0 

Branche: Zeitschriften, Rundfunkbeteiligungen, Websites, Druck, Direct Marketing
Rechtsform: Kommanditgesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1903

Ökonomische Basisdaten (in Mio. €)

202320222021202020192018
Umsatz Gesamt2.7482.9212.9452.7442.7902.664
Beschäftigte10.00010.50010.50010.50012.369

Geschäftsführung

Vorstand:

  • Dr. Marc Al-Hames
  • Holger Eckstein, Finanzen, Services & HR
  • Dr. Katharina Herrmann
  • Philipp Welte, Medienmarken National

Verwaltungsrat:

  • Olaf Koch, Vorsitzender
  • Dr. Andreas Rittstieg, stellvertretender Vorsitzender
  • Dr. Jacob Burda
  • Elisabeth Furtwängler
  • Alexander Kudlich
  • Dr. Ulrike Handel
  • Dr. Andreas Rittstieg

Geschichte und Profil

Die Geschichte des heute sechstgrößten deutschen Medienkonzerns geht zurück auf eine 1903 von Franz Burda I. (1873-1929) gegründete Druckerei in Philippsburg (Landkreis Karlsruhe). 1926 trat sein Sohn, der 23-jährige Franz Burda II. (1903-1986), in die 1908 nach Offenburg verlegte Druckerei ein. Gleichzeitig studierte Burda Rechts- und Staatswissenschaften und veröffentlichte 1927 erstmals die Zeitschrift „Sürag“, Abkürzung für Süddeutsche Rundfunk AG, ein neuer Typ einer Rundfunk-Illustrierten. Ende 1933 hatte die „Sürag“, der Vorgänger von „Bild und Funk“, eine Auflage von 100.000 Stück; 1935 verdiente Franz Burda seine erste Million.

In der NS-Zeit arrangierte sich Burda mit dem System, betonte am 2. April 1933 die nationalsozialistische Orientierung seiner Firma. 1934 trat er in das NSK (Nationalsozialistisches Kraftfahrerkorps) ein, profitierte von der Arisierung und konnte im September 1938 eine jüdische Druckerei günstig kaufen (die „Übernahme des damals modernsten und größten deutschen Druckereiunternehmens Gebrüder Bauer in Mannheim“, Zitat aus: Forschungsprojekt über die „Geschichte des Hauses Burda im 20. Jahrhundert“, Kulturwissenschaftliches Institut Essen). Seit dem 1. Oktober 1938 war Burda Mitglied der NSDAP, während des Zweiten Weltkriegs druckte das Unternehmen Landkarten für die Wehrmacht und Luftbilder in mehrfarbigem Tiefdruck für die Luftwaffe. Später sagte Hubert Burda über den Vater: Franz Burda sei „ein Karrierist, ein Mitläufer“ gewesen. „Wenn Aenne nicht gewesen wäre, hätte er sich sicherlich verführen lassen.“ Anna Magdalene „Aenne“ Burda (1909-2005), Offenburger Lokomotivführertochter, Franz Burdas Ehefrau seit 1931.

Nach Kriegsende konnte Burda Schulbücher, Briefmarken und eine Soldatenzeitung drucken. 1949 erhielt er die Lizenz für „Das Haus“, auch die „Sürag“ durfte wieder erscheinen. Dann beauftragten ihn die französischen Besatzungsbehörden mit der Entwicklung einer illustrierten Zeitschrift: „Das Ufer“ entstand, wurde 1954 umbenannt in „Bunte Illustrierte“, die wiederum im Juli 1972 erstmals unter dem kurzen Namen „Bunte“ erschien. Das Blatt entwickelte sich in den 1950er und 1960er Jahren zu einer der auflagenstärksten deutschen Publikumszeitschriften und war die Grundlage für Burdas Expansion.

Denn während Aenne Burda mit dem Schnittmusterverlag „Burda Moden“ (Erstausgabe 1950, 2009 umbenannt in „burda style“) eine erfolgreiche Verlegerin wurde (man nannte sie auch „Königin der Kleider“ oder „Wirtschaftswunderfrau“), kaufte Franz Burda Zeitschriften: 1960 etwa die „Münchner Illustrierte“, die in die „Bunte“ integriert wurde. 1962 kaufte er die Mehrheit an der Neuen Verlags-Gesellschaft, bekannt für die Zeitschriften „Freundin“ und „Film Revue“, und den Filmpreis Bambi; 1963 die „Frankfurter Illustrierte“, die ebenfalls in die „Bunte“ integriert wurde (und dann „Bunte Münchner Frankfurter Illustrierte“ hieß); 1970 die „Freizeit-Revue“, mit der Burda nach der „Bunten“ das meiste Geld verdiente. Die SZ titelte 2010: „Der rätselhafte Erfolg der „Freizeit-Revue“. Die Welt der Presse, wie Franz Burda sie sah: Vor 40 Jahren brachte er die „Freizeit-Revue“ unter die Deutschen – sie wurde mit Schicksalen und Rätseln zum geheimen Rendite-König.“ Franz Burda, ein Patriarch alten Stils, der seine politische Einstellung der 1930er Jahre nie infrage stellte, ließ sich Senator nennen (die Technische Hochschule Karlsruhe hatte ihn 1950 zum Ehrensenator ernannt). Dennoch: „Franz Burda schuf aus der Drei-Mann-Druckerei eines der größten Druck- und Verlagshäuser der Bundesrepublik. Er war ein Visionär und einer der Väter des deutschen Wirtschaftswunders.“ (Zitat Burda-Homepage) 1983 übernahm er 24,9 Prozent am Axel-Springer-Verlag, bevor er im September 1986 starb.

Die beiden älteren seiner drei Söhne, Franz junior (bzw. Franz III., 1932-2017) und Frieder (1936-2019), die sich um Druck, Technik und Finanzen des Verlags gekümmert hatten, bekamen nach einem „erbitterten Erbfolgekrieg“ („Handelsblatt“) Vertriebsfirmen, Papierfabriken und das Springer-Aktienpaket (das sie 1988 an die Verlegerwitwe Friede Springer verkauften) zugesprochen. Der jüngste Sohn Hubert (geboren 1940), promovierter Kunsthistoriker, wurde alleiniger Gesellschafter der Burda GmbH. Er war auf das Verlagswesen vorbereitet, hatte Volontariate in US-amerikanischen Werbeagenturen und Verlagen gemacht und bis 1974 als Verlagsleiter der Burda-eigenen „Bild und Funk“ gearbeitet. Er hatte 1969 das Männermagazin „M“ gegründet (1970 nach Verlust in Millionenhöhe eingestellt). Weitere Burda-Erstausgaben: „Carina“ (1977 im Burda Modenverlag) und „Chip“ (1978). Und dann war Hubert Burda Chefredakteur der „Bunten“ ab 1976, die er, inspiriert von Andy Warhol, zum ersten deutschen People-Magazin machte.

Zitat Hubert Burda aus „Die Bunte-Story“ (2012): „Aber das Aufregendste war: Andy Warhol kam von New York nach Offenburg in Südbaden, um meinen Vater zu fotografieren. Von da an entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Warhol und mir. Wir trafen uns häufig in New York, St. Moritz oder München (…) Bei einem unserer Treffen sagte Andy einmal zu mir – ich war damals schon Chefredakteur von ‚Bunte‘: „Hubert, you are so rich, du hast 4,8 Millionen Leser bei ‚Bunte‘ und ich nur 500.000 bei ‚Interview‘.“ Das war der Anstoß für meine Idee, ‚Bunte‘ in ein People-Magazin zu verwandeln. Als Chefredakteur verfolgte ich vor allem zwei Prinzipien, die ich auch auf meinen Agenturreisen betonte: ‚Bunte‘ steht für ‚pursuit of happiness‘ – worauf mich Bazon Brock gebracht hatte – und ‚Media is Art‘, die Idee Andy Warhols.“

Danach: die Expansion nach Osten Ende der 1980er Jahre, die Entwicklung zum Medienkonzern. 1987 kam „Burda Moden“ als erste westliche Zeitschrift in die Sowjetunion (1989 war „Burda Moden“ mit einer Auflage von über vier Millionen die größte Modezeitschrift der Welt). Nach der Wiedervereinigung entstand die „Super Illu“ (mit dem Gong Verlag): eine der meistverkauften Zeitschriften der neuen Bundesländer. Ein Flop allerdings war 1992 die Boulevardzeitung „Super“, die vor allem beim ostdeutschen Publikum der „Bild“-Zeitung Konkurrenz machen sollte. Ein unerwarteter Erfolg aber war das Nachrichtenmagazin „Focus“, das Hubert Burda und Helmut Markwort 1993 gründeten. Wenige hatten dem Projekt bzw. dem Versuch, das Meinungsmonopol des „Spiegel“ zu brechen, eine Erfolgschance eingeräumt. „Focus“: heute neben „Spiegel“ und „Stern“ eines der reichweitenstärksten deutschen Wochenmagazine. Verkaufte Auflagen 3/2024: „Focus“ 240.495 Exemplare, „Spiegel“ 672.238 Exemplare, „Stern“ 297.546 Exemplare.

Frühe Internet-Pläne wie „Europe Online“ (1994), das in Kooperation mit AOL Europe zum größten Internetprovider Europas aufsteigen sollte, scheiterten. Die kostspielige Plattform meldete 2002 Insolvenz an. Doch baute Burda die Sparte Burda Digital massiv aus. Seit 2010 übertraf ihr (allerdings um das Direktmarkting erweiterte) Umsatz den der deutschen Verlagsgeschäfte. Dann beteiligte sich Burda mit dem italienischen Partner RCS Rizzoli Corriere della Sera (in einer internationalen Kooperation von 1995 bis 2004) mit 20 Prozent bei RCS Periodici in Mailand, Rizzoli wiederum mit 20 Prozent am Burda Verlag Osteuropa. Weiter stieg man 1995 mit 40 Prozent in die Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße ein, unter anderem mit den Zeitschriften „TV Spielfilm“, „Fit for Fun“ und „Cinema“ (der größten europäischen Filmzeitschrift), die Burda Ende 2004 komplett übernahm.

Der Neusser Paul-Bernhard Kallen (geboren 1957) kam 1996 zu Burda und rückte 1999 auf in den Vorstand. Unter seiner Verantwortung entwickelte der Konzern ein „Portfolio von Online-Beteiligungen“: etwa an Onvista, Ciao, Tomorrow Internet AG, Just Books, Cyberport. 2009/2010 die Zäsur in der Unternehmensgeschichte. Besitzer/Verleger Hubert Burda, der das Unternehmen bis dahin allein geführt hatte, plante seine Nachfolge: Er berief Finanzvorstand Paul-Bernhard Kallen zum Vorstandsvorsitzenden der Holding und nahm zugleich seine beiden Kinder Jacob Burda und Elisabeth Burda Furtwängler als Gesellschafter auf. Damit waren, steht auf der Burda-Homepage, „die Weichen gestellt, dass Hubert Burda Media auch in Zukunft ein Familienunternehmen bleibt.“

Management

„Generationswechsel bei Hubert Burda Media“ (Burda.com): Zum 1. Februar 2025 haben Elisabeth Burda Furtwängler (geboren 1992) und Dr. Jacob Burda (geboren 1990) „die unternehmerische und verlegerische Verantwortung für Hubert Burda Media“ in vierter Generation übernommen. Hubert Burda hatte sich Ende Januar 2025 aus dem Verwaltungsrat der Gruppe zurückgezogen: „Ich bin dankbar, dass ich vor rund 40 Jahren von meinen Eltern einen gesunden Verlag übernehmen durfte und jetzt ein vielseitiges Medienunternehmen an meine Kinder übergeben kann.“  

Jacob Burda, der in Oxford in Philosophie promovierte und an der UCLA Deutsche Literatur unterrichtete, sagte dazu: „Burda ist in einer entscheidenden Phase, in der es wichtig ist, für unsere knapp 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Gesellschaft die richtigen Weichen zu stellen. Ich freue mich sehr, in Zukunft ein Teil davon zu sein.“ Und seine Schwester Elisabeth Burda Furtwängler: „Wir haben uns bewusst entschieden, diese unternehmerische Aufgabe jetzt in politisch und ökonomisch herausfordernder Zeit zu übernehmen, um die Transformation unseres Familienunternehmens fortzusetzen – im Wissen um Tradition und aufgeschlossen für das Neue“

Gemeinsam mit Hubert Burda trat auch Paul-Bernhard Kallen zurück, Jahrgang 1957, ehemaliger Burda-CEO und zuletzt Verwaltungsratschef. Er hatte sich verschätzt, als er die operative Leitung der Mediengruppe im Januar 2022 an den Medienmanager Martin Weiss abgab, von dem sich Burda Anfang 2024 schon wieder trennte. Die Kommunikationsstile seien auseinandergelaufen, und irgendwann habe es einfach nicht mehr gepasst, so Kallen in einem Interview mit dem Manager-Magazin Mitte 2024. Neuer Chef des Verwaltungsrats wurde am 01.02.2025 der frühere Metro-CEO Olaf Koch. Zum Stellvertreter des Verwaltungsratsvorsitzenden wurde das frühere Vorstandsmitglied Andreas Rittstieg ernannt, ebenfalls neu dort Ulrike Handel, zuvor zwölf Jahre tätig für Springer.

Zum Schluss ein Zitat aus dem Handelsblatt (19.12.2004): „Gelegentlich hat der Verlagserbe (Hubert Burda), Eigentümer in dritter Generation, auch halb belustigt, halb besorgt den großen Otto von Bismarck zitiert: „Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends.“ Bei allen historischen Parallelen – so dürfte die Zukunft des gut bestellten Hauses Burda mit großer Sicherheit nicht aussehen.“  

Geschäftsfelder

Hubert Burda Media besteht aus den folgenden drei operativen Unternehmensbereichen:

Consumer Media (internationale Medien- und Verlagsgeschäfte); Bereich mit 1,1 Milliarden Euro Umsatz und 444 weltweit publizierten Zeitschriftentiteln (2023), und der sich wiederum gliedert in die vier Profitcenter. BurdaVerlag mit 155 Zeitschriften und rund 100 digitalen Medien (Beispiele: „Bunte“, „Freizeit Revue“, „Focus“, „Focus money“, „Elle“, „Freundin“, „Instyle“, „Superillu“, „TV Spielfilm“, „Cinema“, „Harper’s Bazaar“); BurdaForward: digitales Publishing-Haus mit nach eigenen Angaben über 41 Millionen Unique Usern, das Portale veröffentlicht wie FOCUS Online, CHIP, BUNTE.de, Finanzen100, TV Spielfilm plus, NetMoms, The Weather Channel; BurdaBroadcast: betreut die mehr als 30 direkten und indirekten Burda-Rundfunkbeteiligungen an Marken wie Antenne Bayern, Hitradio FFH, Radio Arabella, BB Radio und Ostseewelle; BurdaInternational: bündelt die weltweiten Aktivitäten von Hubert Burda Media in 11 Ländern. Zu den 250 internationalen Medienmarken gehören „Immediate“, „Burda Media Polska“, „Burda Media Extra“, „Burda Bleu“, „Burda Luxury“, „Burda Create!“

B2B Media Services (B2B-Dienstleistungen), die sich gliedern in die BurdaDruck-Gruppe: eines der größten Druckunternehmen Europas mit zwei Werken in Offenburg, einer Gesellschaft in Nürnberg und einer im französischen Vieux-Thann; C3: „Content Marketing-Agentur“ mit Standorten in Berlin, München, London, Hamburg, Stuttgart, Zagreb, Prag und Ljubljana; New Work SE (zuvor openBC, XING): soziales Netzwerk für berufliche Kontakte, Stellenausschreibungen.

Commerce: Internet-Aktivitäten in den folgenden vier Bereichen. Unter BurdaCommerce werden die E-Commerce-Beteiligungen an Cyberport SE, an Cybersolutions GmbH und an dem Online-Händler Silkes Weinkeller GmbH gebündelt; BurdaNext investiert in Deutschlands größte Nachbarschaftsplattform Nebenan.de (2,6 Millionen Nutzer in 8.000 aktiven Nachbarschaften); BurdaPrincipal Investments: internationaler Wachstumskapitalarm, der in Internetunternehmen im Technologie- und Medienbereich investiert; HolidayCheck Group AG: eines der führenden europäischen Digitalunternehmen für Urlauber, mit Hubert Burda Media als Hauptaktionär.

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